Mit 15 Sekunden hat Chris Warnat einen Thriller geschrieben, der den Leser mit Wucht in die Handlung zieht. Atemlos liest man die Geschichte um die Gerichtsmedizinerin Farah Rosendahl. Nach einer Feier wird sie in einen Unfall verwickelt. Auf der Heimfahrt taucht plötzlich am Fahrbahnrand ein Mann auf und rennt vor ihren Wagen. Die Windschutzscheibe zerbirst, die explodierenden Airbags nehmen ihr die Sicht. Langsam kommt sie wieder zu sich, sieht, wie der Mann in den Wald flieht. Sie folgt ihm und stößt auf einen zweiten schwerverletzten Mann. Bevor er das Bewusstsein verliert, warnt er sie mit letzter Kraft:
„Hilfe …“, raunt er heiser. „Gefährlich … Sie … kommt“
Farah Rosendahl versucht, ihn wiederzubeleben, bald ist die von ihr herbeigerufene Rettung am Unfallort und bringt den Mann ins Krankenhaus. Dort fällt er ins Koma.
15 Sekunden legen ein hohes Tempo vor
Nach diesem rasanten Auftakt geht es mit gleicher Intensität in dem Thriller weiter. Eine Hütte wird in der Nähe des Unfallortes gefunden. Ein Ort, an dem gemordet wurde. Geschickt führt Chris Warnat den ermittelnden Kriminalkommissar ein. Eine imposante Gestalt, die so gar nicht mit anderen – vor allem nordischen Ermittlern – vergleichbar ist. Oft sind diese von Alkohol- und Beziehungsproblemen belastet. Wase Rahimi trägt seine langen Haare zu einem Dutt gedreht, trinkt kannenweise Ingwertee und hält sich mit Yoga und Meditation fit. Als einfühlsame und sympathische Figur hat Chris Warnat diesen Chef der Ermittlungsgruppe angelegt. Mit seinen Kolleginnen und Kollegen will man gerne ein Bier trinken gehen. Geschickt webt Chris Warnat persönliche Krisen ihrer Figuren in den Fortgang der Ermittlungen. Der Leser bleibt trotz umfangreichem Roman bei 15 Sekunden ganz nah und empathisch an den Protagonisten.
In 58 kurze Kapitel hat die Autorin ihren 440 Seiten umfassenden Thriller unterteilt. Kurze, oft
stakkatoartige Sätze ziehen das Tempo an. Atmosphärische Wetter- und Landschaftsbeschreibungen stellt sie häufig an den Anfang, die direkt in die Szene ziehen. Damit hat sie einen echten Page-Turner geschrieben, den man erst aus der Hand legt, wenn man am Ende angekommen ist. Der gejagte Serienmörder bleibt bis zum Schluss nebulös, obwohl er in einigen wenigen Kapiteln selber zu Wort kommt, was die Spannung steigert:
Fünfzehn Sekunden, länger brauche ich nicht, um sie auszuwählen. Um ihre Körpersprache zu entschlüsseln und die feinen Mikroexpressionen zu erfassen, die sie von den anderen unterscheidet.
Zum Schluss ist man erleichtert, dass der Roman gelesen ist und man aufatmen kann.
Ein Erstling
Erstaunlich, dass 15 Sekunden Chris Warnats Erstlingsroman ist. Vieles scheint das Ergebnis großer Schreibroutine im Thrillerfach zu sein. Wie sie bei der Lesung in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt verraten hat, ist die Fortsetzung bereits geschrieben und soll Mitte Mai 2026 erscheinen. Man kann sich also auf ein Wiedersehen mit Farah Rosendahl, Wase Rahimi und dem Rechtsmediziner Lars freuen, den nicht nur ein kollegiales Verhältnis mit Farah verbindet. Aber das steht noch am Anfang …
Fünfzehn Sekunden
Thriller
446 Seiten, Paperback, Klappenbroschur
Penguin Verlag, Preis 16,00 €
Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens
