Chris Warnat hat ihren ersten Thriller geschrieben und ist damit gleich zu Gast bei den 17. Stuttgarter Kriminächten in Bad Cannstatt. Die Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt ist als Austragungsort fester Bestandteil der Kriminächte, wie ihr Leiter Michael Reisser zu Beginn betont. Er hat den Posten des Beirats in der Jury von seiner Vorgängerin im Amt, Alexandra Kirchner, „geerbt“. Selber dem Kriminalroman sehr zugetan, hat er die Arbeit in der Jury gerne übernommen und hat in diesem Jahr den Roman 15 Sekunden vorgeschlagen, aus dem Chris Warnat am 19. März 2026 liest.
Erfahrungen als Gerichtsreporterin
Bevor sie mit dem Schreiben von Thrillern anfing, hat Chris Warnat, nach dem Studium der BWL, als Gerichtsreporterin gearbeitet. Ein Jahr hatte sie sich gegeben, ein Buch zu schreiben, und hatte dafür das notwendige Geld gespart. Ein mutiger Schritt nach vierzehn Jahren Festanstellung. Und es hat tatsächlich geklappt: Mit einem Vorschuss für zwei Bücher hat sie einen Vertrag bei Penguin ergattert.
In Geschichten denken, das ist bei mir schon immer so. Mein Hirn ist, so glaube ich, ab Werk so gebaut, alles in Geschichten zu denken.
Das kann sie heute Abend mit einigen Auszügen aus ihrem Thriller unter Beweis stellen. Geschickt baut die Autorin ihr Rätsel rund um einen Unfall im nächtlichen Wald auf, in den die Rechtsmedizinerin Farah verwickelt wird. Ein Mann rennt ihr vor das Auto. Sie schafft es nicht mehr zu bremsen und er knallt ihr mit voller Wucht gegen die Windschutzscheibe. Schnell kommt von polizeilicher Seite Hilfe, aber der Verletzte hat sich in den Wald geflüchtet.
Lesepassagen, die nicht Lösungen verraten
Nach zwei kurzen Lesepassagen stellt Chris Warnat das Personal ihres Buches vor. Da ist Farah Rosenfeld, Rechtsmedizinerin der Uniklinik Hamburg-Eppendorf. Sie hat ein gutes Verhältnis zu dem Kriminalkommissar Wase Rahimi, den Chris Warnat ausführlich vorstellt: Groß gewachsen, mit einem Haarzopf ist er nicht nur eine imposante Erscheinung, sondern auch ein einfühlsamer Typ; Kochen und Yoga sind seine Sache. Mit Wase und seinem Team wird Farah die Waldhütte untersuchen und dort stoßen Farah und die Polizei auf geronnenes Blut …
Chris Warnat schlägt ein rasantes Tempo an
Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt. Damit erhöht die Autorin geschickt die Spannung, ebenso wie oft kurze, knappe Sätze eine gewisse Atemlosigkeit erzeugen, die den Thrill extrem erhöht. Nun liegt es in der Natur des Genres, dass inhaltlich nicht allzu viel verraten werden darf. Trotzdem verwickelt Michael Reisser Chris Warnat in ein Gespräch über ihr Schreiben und darüber, wie sie diesen Roman „gebaut“ hat. Auch das Publikum wird an diesem Abend schnell in das Gespräch einbezogen.
Fragen beantwortet die sympathische Autorin offen
Die vielen Fragen beantwortet die Autorin auf eine sehr sympathische Art und Weise, mit der sie das Publikum schnell für sich einnimmt. Chris Warnat verrät, dass sie während des Schreibens ein emotionales Verhältnis zu Wase Rahimi aufgebaut hat. Sie hat ihn ganz anders als viele herkömmliche Kommissare angelegt, die oft mit großen persönlichen Problemen, teils Alkoholproblemen beschrieben werden. Richtig harte Stellen (z. B. die Überbringung einer Todesnachricht) kann sie so ungeschönt schildern, aber durch den sympathischen Charakter ihrer Ermittlerfigur abfedern. Man merkt an ihren Antworten, wie sehr sie für ihre Arbeit brennt. Und sie ist stolz, dass sie einen Verlag gefunden hat, der ihr die Story abgekauft hat und ihr sogar einen Vorschuss bezahlt hat. Der zweite Band der Reihe um Farah und Wase ist bereits geschrieben und soll im Mai erscheinen.
Mit dieser Lesung und seiner Auswahl eines spannenden Thrillers im Rahmen der 17. Stuttgarter Kriminächte hat Michael Reisser die Stellung der Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt in Sachen Kriminalromane weiter gefestigt. Dass er für die Lesung eine unprätentiöse, sympathische Newcomerin präsentieren konnte, hat alle überrascht.

