
Neulich in Chemnitz auf eine besondere Toilettenanlage in der Hartmannfabrik gestoßen: FLINTA. In der frisch restaurierten Hartmannfabrik ist das Besuchs- und Informationszentrum für die europäische Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 eingerichtet. Vor Ort kann man sich mit aktuellem Informationsmaterial rund um die europäische Kulturhauptstadt und dem Programm versorgen.
Gewissensprüfung vor dem Toilettengang
Und man kann auf sehr saubere, freundliche Toiletten gehen. Aber vor der Benutzung steht die schwierige Entscheidung, durch welche Tür man eintreten soll. Dazu ist ein Studium notwendig, denn wer kennt sich schon mit dem woken, hippen Akronym FLINTA aus. Der Begriff FLINTA ist im alltäglichen Sprachgebrauch nicht üblich. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gibt dazu folgende Informationen auf ihrer Internetseite:
Die Abkürzung FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Menschen, der Genderstern verweist auf alle weiteren Geschlechtsidentitäten oder sexuellen Orientierungen, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Dieser Begriff bezeichnet zum einen die Personen, die im Patriarchat diskriminiert werden sowie häufig von Sexismus betroffen sind, aber soll häufig auch ausdrücken, welche Personen in bestimmten Räumen oder zu bestimmten Veranstaltungen willkommen ist (z.B.: „FLINTA* -Toiletten“ oder „FLINTA*-Party“). FLINTA* sollte dabei nicht synonym mit ‚Frauen‘ oder ‚Personen, die sich als Frauen wahrnehmen‘ benutzt werden, da so fälschlicherweise andere Geschlechtsidentitäten ausgeschlossen werden. Wenn nur Geschlechtsidentitäten bezeichnet werden sollen, wird der Begriff ohne Lesben, also nur FINTA* genutzt.
Agender ist nicht gleich Agenda
Da kommt schon wieder ein ungewöhnlicher Begriff ins Spiel: agender. Es bedeutet nicht, einer Agenda zu folgen, sondern es sind Personen, die sich innerlich als geschlechtslos oder geschlechtsneutral empfinden oder die zum Konzept von Geschlecht keinen Zugang finden. Sie können sich folglich keinem Geschlecht zuordnen. Oder sie wollen es nicht, also a-gender sind.
Die Frauenemanzipation hat ihr Ziel nicht erreicht
So das wäre geklärt. Die Entscheidung, durch welche Türe man gehen soll aber nicht. Eigentlich ist es in der Hartmannfabrik völlig wurst, auf welche Toilette man geht. Man kann immer eine Erklärung finden, wenn man angehalten wird. Denn mittlerweile muss man noch nicht einmal sein Geschlecht im Pass vermerken lassen, bzw. man kann es wechseln, je nachdem, wie man sich gerade fühlt. Das allerdings ist völlig gaga. (Siehe hierzu den Fall des Nazi Libich: „Mit geändertem Geschlechtseintrag in die Frauen-JVA“, Quelle MDR.) Kein Wunder, dass sich Frauen, die in den siebziger Jahren in der Frauenbewegung für Gleichberechtigung kämpften, heute am Kopf kratzen, wenn sie vor der Entscheidung stehen, welche Toilette sie nutzen sollen. Zumal, wenn sie voraussetzen, dass eine Damentoilette ein geschützter Raum sein sollte.
Umerziehung und Bekehrung
Menschen ideologisch bekehren und umerziehen zu wollen, macht immer Angst. Darüber sollten die Architekten und Ideologen, die diese Gender Toiletten eingebaut haben, einmal nachdenken. Mit diesen Schildern werden vor allem Männer aufgefordert, ihre weiße, männliche oder europäische »Privilegiertheit« zu durchschauen, mit anderen Worten: ihre Sündhaftigkeit zu erkennen und Umkehr und Buße zu üben. Der Blick in die Religionsgeschichte genügt, um zu erkennen, wie viel Schrecken die Drohung mit Zwangsbekehrungen auslöst. Man kann sich aber auch an die jüngere Geschichte halten, an die Umerziehungslager in der Sowjetunion und China, um die Retraumatisierungsängste ostdeutscher und anderer Bürger des einstigen Ostblocks zu erahnen. Aktuelle Fälle ereignen sich derzeit in den USA. Und das alles passiert in Chemnitz, der ehemaligen Karl-Marx-Stadt.