Elsternest

Innehalten im Wald

Meditation im Wald

In allen menschlichen Kulturen gibt es Rituale. In unserer modernen Gesellschaft sind viele jahrhundertelang gepflegte Rituale in den Hintergrund getreten. Wer in den urbanen Zentren des Landes kennt z. B. das Fest Mariä Lichtmess? Es ist eines der ältesten christlichen Feste. Eine kleine Gruppe Interessierter machte sich mit der Kursleiterin für Waldbaden, Johanna Clasing, am 2. Februar 2026 (eben an diesem kirchlichen Feiertag) zu einem Spaziergang in den Seewald auf, um den hinter dem Fest liegenden Vorstellungen nachzuspüren.

Anfänglich ist es ein wenig schwer, sich auf den Sinn des Festes und den Wald einzulassen. Zu unwirtlich erscheint er uns. Emotional sichtlich bewegt weist Johanna Clasing auf die derzeit wieder vorangetriebenen Baumfällarbeiten im Seewald hin.

Mit großen Maschinen werden die gefällten Bäume über die Hauptwege zu Sammelstellen transportiert. Auch die kleinen Wege in den Wald werden durch die riesigen Räder der Schlepper zerfurcht und der Waldboden verdichtet. Ich frage mich, wie lange die Stadt Korntal-Münchingen diesen Wald noch als Holzquelle nutzen sollte oder ob nicht angesichts des sich verändernden Klimas der Wald eher als Frischluftschneise und Oase der Erholung dienen sollte.

Fällung im Korntaler Wald

Wie lange soll der Seewald noch als Holzlieferant dienen?

In früheren Epochen diente der Wald nicht als exzessiv auszubeutendes Wirtschaftsgut. Z. B. zu den Zeiten, als Mariä Lichtmess noch gefeiert wurde. Es war das Fest „Darstellung des Herrn“, an dem der Weihung des Neugeborenen im Tempel gedacht wurde.

Vorbereitung auf den Frühling

In Anlehnung an die jüdisch-christliche Tradition wurde das Fest 40 Tage nach dem Geburtsfest mittig zwischen Weihnachten und Frühlingsanfang wurde es gelegt. In den bäuerlichen Stuben und in den Kirchen wurden die verbliebenen Tannenbäume abgeräumt und der Weihnachtsschmuck verpackt. Landarbeiter erhielten vom Grundbesitzer neue Arbeitsverträge für die kommenden Monate. Das Vor-Ziehen von Saat- und Pflanzgut begann.

Wir spüren auf dem Weg in den Wald nach, was für jeden von uns zu Ende geht, und wir werden von Johanna Clasing gebeten, etwas aus dem Wald aufzulesen, das dafür steht. Im zweiten Schritt überlegen wir, was für uns für den Neuanfang im Sinne von Frühling stehen könnte und sammeln auch das.

Meditatives Innehalten

Mitten im Wald machen wir Rast, Johanna Clasing formt aus windgeschützten Teelichtern eine Spirale. Jeder aus der Gruppe läuft diese Spirale einmal zu ihrem Mittelpunkt, legt sein Symbol für das Vergangene ab und kommt auf umgekehrtem Weg wieder vom Mittelpunkt an seinen Platz. Anschließend machen wir das Gleiche mit dem Gegenstand, der für uns für das neue steht. Still horcht jeder in sich hinein und versucht, sich mit dem Wald und der Natur zu verbinden.

Johanna Clasing zündet in einer kleinen Feuerschale Rauchwerk an und reinigt damit symbolisch. Gemeinsames Singen verstärkt den meditativen Charakter der Zeremonie. Gefühle und Gedanken kommen zur Ruhe. Mit diesen kleinen Ritualen kann man buchstäblich in den Wald eintauchen, in ihm baden.

Wer sich vom Wald berühren und bewegen lassen will, der findet Angebote dazu auf der Homepage von Johanna Clasing.

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