Elsternest

Joachim Zelter im Werkstattgespräch

Lesung von Joachim Zelter im Schriftstellerhaus 2025 Moderation Michael Seehoff

Am 16. Dezember 2025 kam Joachim Zelter im Schriftstellerhaus Stuttgart mit Michael Seehoff ins Gespräch. Er ist im Haus kein Unbekannter. Gilt er doch in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur als Ausnahmeerscheinung: Einer, der es auf die Spitze treibt, der den Dingen auf den Grund geht durch die Art und Weise seines Schreibens – ein radikaler Schriftsteller und genialer Performer seiner Texte. Seine Publikationen – zum allergrößten Teil beim ehemaligen Klöpfer und Meyer Verlag erschienen, heute im Kröner Verlag und dort in der Edition Klöpfer.

Seit 1997 als freier Schriftsteller tätig

Angefangen hat es bei dem in Freiburg 1962 geboren Joachim Zelter mit seinem Roman Briefe aus Amerika. Während seines Lehrauftrages 1995/1996 an der Yale Universität im US-Bundesstaat Connecticut schrieb er lange Briefe in die Heimat. Die kamen bei den Empfängern so gut an, dass sie ihn ermunterten, diesen Fundus doch einem breiteren Publikum vorzustellen. Das war 1997 der Beginn seiner Laufbahn als freier Schriftsteller.

Heute blickt er auf ein Werk von über 20 Romane, Erzählungen und Novellen, das in den Jahren erschienen ist. Sein Roman Der Ministerpräsident schaffte es 2010 auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis. In den letzten Jahren verfasste er Bühnenversionen seiner Prosatexte sowie eigenständige Theaterstücke, die an zahlreichen Bühnen in Deutschland und Österreich aufgeführt wurden. Die weisen häufig einen Hang zur politischen Satire, aber auch zum Tragikomischen auf.

Über seinen neuen Roman Hoch oben wird diskutiert

Im Werkgespräch am 16. Dezember steht seine neuer Roman Hoch oben (Besprechung siehe hier) im Mittelpunkt. Darin geht es um Jeremy Ash, ein Engländer, der von Groß-Britannien nach Deutschland mit dem Auto fährt. Die nächtliche, dunkle Umgebung, starker Regen und verwirrt durch immer ähnliche Ortsnamen (viele enden auf -ingen) lassen ihn von der Straße abkommen und das Auto erleidet einen Totalschaden. Er landet im Krankenhaus in Karlsburg. In Karlsburg regiert der Oberbürgermeister Thorwald Julius Burger. Er hat ähnliche Züge wie Boris Palmer aus Tübingen, wo Joachim Zelter wohnt.

Das steht am Anfang deines Romans und wird von Joachim Zelter gelesen. Im Gespräch sagt er , dass das auch die Ausgangsideen zu dem Roman war. Schon immer wollte er über einen Oberbürgermeister schreiben, Boris Palmer bot sich hervorragend an. Es war sein „Dosenöffner“ zur Geschichte in deren weiteren Verlauf der Engländer die Krankenhausrechnung nicht zahlen kann, seine Kreditkarte gibt das nicht her. Infolgedessen muss er Sozialarbeit im Kindergarten leisten, um die Rechnung quasi abzuarbeiten. Daraus ergibt sich in dem Roman zwangsläufig die Handlung, die sich durchzieht.

Joachim Zelter spricht über Genres

Im Laufe des Abends liest Joachim weitere prägnante Stellen aus dem Roman und erläutert seine Arbeitsweise und welche Romanklassiker und -genres immer wieder Pate bei seiner Arbeit stehen. Für ihn ist es wichtig den Nullpunkt einer Erzählung zu definieren. Hier ein Ausländer, der verunfallt, wenig Deutsch kann und kindlich naiv den Irrsinn in der fiktiven Stadt Karslburg und mit dem Treiben des Oberbürgermeisters Thorwald Julius Burger konfrontiert wird. Die Situation wird von Joachim Zelter – wie so oft – ironisch überhöht und nimmt rasant Fahrt auf.

Ob dieses Buch auch in der Stadt des realen Oberbürgermeisters Boris Palmer ankommt, bleibt abzuwarten. Im Laufe seiner Karriere hat Joachim Zelter die Erfahrung gemacht, dass es Bücher (und damit Themen gibt), die sich gut verkaufen, andere überhaupt nicht (wie z. B. Das Buch über die Abschiebung eines Asylbewerbers Die Verabschiebung.) Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch ein weiterer Verkaufsschlager für den Autor wird.

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