Elsternest

Lena Schätte stellt sich dem Stuttgarter Publikum vor

Lena Schätte im Gespräch mit Viola Völlm

Lena Schätte wohnt derzeit im Stuttgarter Schriftstellerhaus. Sie ist im 4. Quartal dieses Jahres als Stipendiatin dort eingezogen. Am 3. November wurde sie von Viola Völlm in der Stadtbibliothek den Stuttgartern vorgestellt. Als Lena Schätte vom Vorstand des Schriftstellerhauses für das Stipendium ausgewählt wurde, war ihr neuer Roman Das Schwarz an den Händen meines Vaters noch nicht auf dem Markt. (Rezension hier). Der S. Fischer Verlag reichte den Roman nach Erscheinen für den Deutschen Buchpreis ein, er schaffte es auf die Longlist.

Viola Völlm, die im Schriftstellerhaus für die programmatische Ausrichtung verantwortlich ist, fragte Lena Schätte, was für sie der Unterschied zwischen Autobiografie und Autofiktion sei. Obwohl Lena Schätte unumwunden zugab, dass sie aus einer Familie mit einem Suchtproblem kommt, sei es nicht ihre Autobiografie. Die Figuren des Romans seien literarisch stark bearbeitet.

Auch beruflich mit Sucht konfrontiert

Als Krankenschwester arbeitet sie ebenfalls mit Suchtkranken und so kamen viele Erfahrungen aus ihrem Beruf in die Romanhandlung. Auch heute arbeitet sie nach wie vor als Krankenschwester, allerdings hat sie ihre Stundenzahl nach Erscheinen des Romans deutlich reduziert, seit Sommer pausiere sie. Vom Schreiben könne sie nicht leben. Da kam das Stipendium im Schriftstellerhaus gerade zur rechten Zeit. Anfänglich hatte sie einige Vorbehalte gegenüber Stuttgart. Der Stadt eile ein gewisser Ruf der Sauberkeit und der sichtbaren Ordnung voraus. Lena Schätte liebt, wie sie frei erzählt, schmutzige Arbeiterstädte.

Den Kindern wird eine schwere Last aufgebürdet

Die Frage nach der Co-Abhängigkeit bei Familienmitglieder aus Suchtfamilien beschäftige sie sehr. Ebenso, ob ein solches Verhalten erblich sei. Oft landen die Kinder von alkoholabhängigen Eltern selber in der Sucht oder suchen sich Partner, die ihrerseits Suchtverhalten zeigen. In Deutschland, schätzt man, wachsen drei Millionen Kinder in Suchtfamilien auf.

Lena Schätte schreibt überall

Entstanden ist der Roman während ihrer Nachtschichten. Geschrieben in Pausen, in Zügen und bei sich sonst ergebenden Gelegenheiten. Sie könne überall schreiben, eine bestimmte „Schreibumgebung“ bräuchte sie nicht. Bevorzugt schreibt sie in Cafés. Schriftstellerin wollte sie immer werden, schon in der Grundschule hatte sie diesen Wunsch, erklärte sie Viola Völlm. Beim Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, das sie mit einem Bachelor abschloss, hat sie viel über das Handwerk des Schreibens gelernt. Unterschiedliche Stile, eine Geschichte zu erzählen: teils sehr „elaborierte“, ausführlich mit verschachtelten Sätzen, teils gradlinige. Doch sie ist zu einer sehr knappen, reduzierten Sprache zurückgekehrt. Das sei ihre Stimme. Man kann gespannt sein, mit welcher Stimme sie ihren nächsten Text erzählt, der während ihres Stipendiums entsteht.

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