Elsternest

Martin von Arndt buchstabiert den Wortschatz des Todes

Martin von Arndt Der Wortschatz des Todes

Martin von Arndt hat sich in den letzten Jahren ganz dem Politthriller verschrieben. Nun legt er seinen sechsten vor: Der Wortschatz des Todes. Wieder mit stark osteuropäischem Hintergrund, wie schon in seinen vorhergehenden Thrillern Oktoberplatz, Tage der Nemesis und Sojus. Seinem Ex-Kommissar Andreas Eckart hat er Lebewohl gesagt und führt in Der Wortschatz des Todes die Ex-BKA-Fallermittlerin Irina Starilenko ein. Die will sich als Wirtschaftsdetektivin selbstständig machen, wird aber auf dem „Weg dorthin“ vom Rechtsanwalt Julian Bergmann als Privatermittlerin für einen Fall engagiert, in den ihr Bruder Konstantin verwickelt sein könnte. Auch für den aus dem Ruhrgebiet stammenden Bergmann ist das sein erster Verteidigungsfall. Konstantins Freund Oleksi soll einen polnischen Geschäftsmann mit drei gezielten Schüssen in den Kopf getötet haben. Oleksi ist in Untersuchungshaft genommen worden, er hat den Mord gestanden, Bergmann ist ihm als Verteidiger zugewiesen worden. Der merkt schnell, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, wird aber ohne Hilfe einer Ermittlerin nicht die Unschuld seines Mandanten beweisen können. So kommt Irina Starilenko zu ihrem ersten Fall.

Eine unerschrockene Kämpferin, vom BKA ausgebildet

Irina Starilenko ist eine imposante Erscheinung, kampfsportgestählt und mit einem riesigen armenischen Berghund an ihrer Seite. Warum Martin von Arndt Irina als nonbinäre Person angelegt hat, erschließt sich dem Leser dieses Romans nicht. Eine modische Marotte? Oder will er in weiteren Thrillern das noch weiter ausschlachten? Denn dass diese Kampfmaschine noch in weiteren Romanen auftauchen wird, das hat Martin von Arndt bei seiner Premierenlesung schon angedeutet. Man darf darauf gespannt sein.

Auf einen rasanten Einstieg folgt raffiniert ausgeklügelte Politthrillerspannung

Martin von Arndt lässt es nicht langsam angehen. Gleich im ersten Kapitel geht es im wahrsten Sinn explosiv zu Sache und damit setzt Martin von Arndt auch schon den Ton dieses Page-Turners. Der sich allerdings im Aufbau seiner Spannung von herkömmlichen Thrillern unterscheidet, als dass die Spannung nicht von immer mehr Toten eines Serienmörders erzeugt wird, sondern von raffinierter Personencharakterisierung und politischem Background. Hier ist es der Ukrainekrieg. Der festgenommene Oleski ist aus der Ukraine über die Tschechei nach Deutschland geflüchtet und das komplizierte Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine wird anhand des Figurenpersonals sehr detailliert beschrieben. Dabei hat man nie den Eindruck, in einem Proseminar über die sowjetische und postsowjetische Geschichte zu sitzen.

Der Wortschatz des Todes ist extrem spannend und hochliterarisch

Von Arndt ist ein routinierter Handwerker, was Thriller schreiben angeht, und dazu noch einer, der hochliterarisch arbeitet. Das hat er aus seinem „früheren Autorenleben“ in dieses Genre hinübergerettet. 2010 bekam er für seinen Roman Der Tod ist ein Postmann mit Hut den renommierten Thaddäus-Troll-Preis. Er beschreibt seine Figuren sehr genau, indem er die menschlichen Facetten ausleuchtet. Die Biografien dieser Figuren haben sowohl einen komplexen psychologischen Hintergrund als auch einen politischen. Man geht mit diesen Figuren gerne ihren Weg mit und kann deswegen das Buch kaum aus der Hand legen. Zudem gelingt es Martin von Arndt anhand dieser Figuren, die politischen Hintergründe darzulegen, indem er die Figuren mit diesen verknüpft. Das reicht zurück bis zum Atomunfall in Tschernobyl und bis zum aktuellen Krieg in der Ukraine. Vom dort beteiligten rechtsterroristischen Regiment Asow schlägt er den Bogen zu rechtsradikalen Nazis in Deutschland. Dass der russische Geheimdienst sich deutscher Nazis bedient, um unliebsame Personen zu beseitigen, ist ein weiterer Aspekt, dem der Leser dieses Romans atemlos folgt. Angesichts der zeitlichen Abstände beim Erscheinen der Politthriller von Martin von Arndt, kann man auf eine baldige Fortsetzung der Ermittlerarbeit von Irina Starilenko hoffen.

Der Wortschatz des Todes
Politthriller
288 Seiten, Klappenbroschur
ars vivendi, Preis: 20,00 €

Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

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