Wieder einmal las am 11. Februar 2026 der Autor Martin von Arndt in der Stadtbibliothek Stuttgart. Im Gepäck hatte er seinen neuen Politthriller Der Wortschatz des Todes.
Die richtigen Worte und vor allem die richtigen Fragen an den Autor findet Silke Arning, Redakteurin beim SWR, an diesem regnerischen Winterabend. Und es scheint, als passe das Wetter zum Text.
Es ist ein rasanter Thriller, der als Folie den Ukraine-Krieg hat, dort wo Putin zurzeit bei zweistelligen Minusgraden das Volk des Nachbarstaates durch zermürbende Bombardements auf die Infrastruktur in die Knie zwingen will. Der Ankündigungstext des Verlages beschreibt die Prämisse treffend so:
Irina Starilenko, russischstämmige ehemalige BKA-Fallermittlerin, wird von ihrem Bruder Konstantin gebeten, seinem Freund Oleksandr zu helfen. Oleksandr, der vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine nach Deutschland geflohen ist, soll den Mord an einem polnischen Geschäftsmann begangen haben, ist jedoch unschuldig, da er zur Tatzeit mit Konstantin einen Brandanschlag auf ein Haus der Identitären Bewegung verübt hat. Doch Konstantin kann nicht für Oleksandr aussagen, weil sonst seine Bewährung widerrufen würde und er auf Jahre ins Gefängnis ginge. Nach kurzem Zögern sagt Irina zu, sich auf die Suche nach dem wahren Täter zu begeben, und muss bald feststellen, dass sie es mit ausgesprochen dunklen Kräften zu tun hat …
Martin von Arndt versteht es, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen
Wir erfahren, ihr Bruder Konstantin war bei der Antifa. Irina konnte aufgrund dieser Konstellation nicht beim BKA bleiben. Sie will sich zukünftig als Privatdetektivin verdingen. Sie wird vom Pflichtverteidiger ihres Bruders, dem Rechtsanwalt Bergmann, um Mithilfe gebeten und bekommt somit ihren ersten Fall.
Die vom Autor vorgetragenen Passagen lassen unschwer erkennen, dass dieser Roman eine große Dynamik entfaltet, wie man es von guten Politthrillern gewohnt ist. Martin von Arndt ist ein überzeugender Interpret seines eigenen Textes, was bei Autoren nicht immer der Fall ist. Martin von Arndt liest sehr lebendig, macht an den richtigen Stellen Pausen und steigert damit die Textdramatik und wechselt das Lesetempo, dem Text angemessen, lässt Bilder vor dem geistigen Auge aufsteigen. Rechtsanwalt Bergmann stammt aus dem Ruhrgebiet und geschickt intoniert Martin von Arndt bei dessen direkter Rede einen Ruhrpott-Dialekt. Dem Zuhörer drängt sich schon durch die wenigen Passagen des 280-seitigen Romans die Dringlichkeit auf, mit der der Plot vorangetrieben wird.
Beim Thriller sollte man nicht spoilern
Es liegt bei einem Thriller in der Natur der Sache, dass von der Geschichte nicht allzu viel erzählt werden sollte. Silke Arning meistert diese Herausforderung souverän durch gezielte Fragen zum Hintergrund der Geschichte und zu den umfangreichen Recherchen des Autors im osteuropäischen Raum. Er selber hat familiäre Wurzeln in Ungarn und kennt aus Erzählungen seiner aus Ungarn immigrierten Eltern sicher den spezifisch sowjetischen Unterdrückungsapparat. Dass das postsowjetische Russland heute wieder seinen Unterdrückungsapparat bis in die westeuropäischen, liberalen Gesellschaften ausstreckt, ist erschreckend.
Eigenständigkeit und Unabhängigkeit wird brutal unterdrückt
Geschickt verwebt Martin von Arndt den dreifachen Versuch, dem ukrainische Volk schwer zu schaden bzw. es auszulöschen: durch die unter Stalin initiierte Hungersnot (Holodomor), bei der man von drei bis sieben Millionen Opfern ausgeht. Im postsowjetischen Reich durch Tschernobyl, bei dem tausende an den Spätfolgen starben. Und in den letzten Jahren der grausame Angriffskrieg Russlands, der die Zivilbevölkerung und die aktiven Kämpfer in großer Anzahl tötet. Wieder ist es das Ziel der Herrscher im Kreml (wie zuvor schon Stalin) eine nach Unabhängigkeit strebendes Volk zu unterdrücken. Die Verbindung zur Tschernobyl-Katastrophe flicht der Autor geschickt durch die Liebe seiner Protagonistin Irina Starilenko zu ihrem Vater ein, der an den Strahlenfolgen gestorben ist. Die historischen Tatsachen des Holodomor hat er in Tagebuchaufzeichnungen unter gebracht. Eine besonders reizvolle Fingerübung für Martin von Arndt, historische Fakten als Tagebucheinträge literarisch zu bearbeiten, wie er an dem Abend Silke von Arnim verrät.
Wie die Geschichte ausgeht, wird bei der Lesung nicht verraten. Aber der Autor kann sich durchaus vorstellen, seine ungewöhnliche Privatdetektivin in weiteren Büchern ermitteln zu lassen. Das immerhin lässt Martin von Arndt durchblicken. Wir können gespannt sein …
Der Wortschatz des Todes
Kriminalroman
288 Seiten, Klappenbroschur
Verlag ars vivendi, Preis: 18,00 €
Zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Außerordentlich interessant und ungewöhnlich. Lohnt sich zu kaufen. Der Autor wirkt ausgesprochen sympathisch.