
I am American, American is what I am
I was born in Canada, came south to join a band
Got caught up in the big time, travellin‘ through the land
Up on the stage, I see the changes comin‘ to this country
I am Canerican, Canerican is what I am
Singt Neil Young auf seinem vor vier Jahren erschienen Album Barn. Mit der Gitarre in der Hand durchkreuzt er seit sechs Jahrzehnten die Welt der Musik – immer wachsam, immer engagiert. Neil Young mischt sich ein, wann immer Demokratie, Umwelt oder Gerechtigkeit bedroht sind. Seine Songs sind mehr als Melodien: Sie sind klare Statements gegen Krieg, für Menschenrechte und gegen die Zerstörung der Natur.
Wie eine Flipperkugel und immer politisch
Die musikalische Entwicklung von Neil Young erinnert an den unberechenbaren Lauf einer Flipperkugel. Von Folkrock zu Country, von Hardrock zu New Wave-Pop, von Rockabilly zu Bar-Band-Blues. Nie ließ er sich festlegen. Nur seinem Instrument blieb er treu: der Gitarre.
Immer war er politisch. Seit Jahrzehnten engagiert er sich für »Farm Aid« und Umweltschutz, äußert sich in seinem Werk antirassistisch (Southern Man) und gegen die Kolonisierung (Cortez the Killer). Und er ist dazu in der Lage, eine so herkömmliche wie doch völlig besondere Liebeserklärung an eine Frau zu dichten, die er in einer überfüllten, dunstigen Bar sieht, die ihn einfach umhaut und wegbläst. »I want to love you, but I’m getting blown away.« Sie war wie ein Hurrikan. Und wie ein Hurrikan knallt ein unverwechselbarer Sound, die Texte gesungen von der hohen, brüchig klingenden Stimme Youngs.
Für sein gerade veröffentlichtes Video As Time Explodes montierte der Musiker einfach Nachrichtenbilder aus den vergangenen Wochen aneinander, beginnend mit dem Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses als Symbol einer halb zertrümmerten Demokratie, und unterlegte diese fast dystopisch anmutende Bilderparade allein mit treibenden Gitarrenklängen. So unverkennbar energisch und eklektisch, wie sie nur Young produzieren kann. Typischer könnte sich der Altrocker vor seinem 80. Geburtstag am heutigen Mittwoch nicht präsentieren: Eigensinnig, stur, laut und rebellisch wie eh und je.
Auch mit 80 noch weltweit auf den Bühnen präsent
Live ist Young nach wie vor ein Erlebnis. Trotz fortgeschrittenen Alters geht Young regelmäßig auf Tour. Aktuell setzt er mit der Band The Chrome Hearts auf intensive, energetische Rockauftritte, gepaart mit politischen Botschaften. Seit Jahrzehnten ist er ein unermüdlicher Chronist seiner Zeit, dessen Stimme in der Musikszene und darüber hinaus gehört wird.
Hey hey, my my, Rock and Roll can never die (aus seinem 1978 erschienenen Album ) verbindet er mit der Warnung, dass der Rost niemals schläft: „Besser leuchtend verbrennen, als langsam verlöschen.“ So verwundert es auch nicht, dass er auf die Frage, die ihm schon 2008 gestellt wurde, ob er Pläne hätte, in den Ruhestand zu gehen, antwortete „Wenn ich in den Ruhestand gehe, werden es die Leute wissen, weil ich dann tot sein werde.“ Viele weitere Jahre kreativen Songwirtings wünschen die Elster und die Lerche ihm zum 80. Geburtstag, dem 12. November, und graturlieren ihm dazu von Herzen!