Elsternest

Ulrich Rüdenauer erhält 2025 den Anna-Haag-Preis

Ulrich Rüdenauer erhält Anna-Haag-Preis 2025

Am 2. Dezember 2025 erhielt der Autor Ulrich Rüdernauer den Anna-Haag-Preis 2025. Er wurde ihm für seinen Debutroman Abseits (erschienen im Berenberg Verlag) verliehen. Es hätte keinen passerenden Ort für die Verleihung des Preises geben können als im „Haus der Bücher“, die Stuttgarter Stadtbibliothek. Die musikalische Begleitung des Festaktes kam von den beiden Musikern Daniel Kartmann am Schlagzeug und dem Saxophonisten Andreas Krennerich.

Der Anna-Haag-Preis wird jährlich vergeben

Der vom „Förderkreis der Schriftsteller:innen in Baden-Württemberg e.V.“ jährlich verliehene Anna-Haag-Preis ist mit 10.000 € dotiert und fördert Autorinnen und Autoren, die am Beginn ihrer literarischen Laufbahn stehen. Dieser bedeutende Literaturpreis wird seit drei Jahren verliehen und löste den Thaddäus-Troll-Preis ab, der als Landespreis für Literatur in den Jahres 1981 bis 2022 vergeben wurde. Warum dieser Preis umbenannt wurde, erfuhr das Publikum an diesem Abend: Anna Haag war eine bedeutende Schriftstellerin, Pazifistin, SPD-Politikerin und Frauenrechtlerin. Mit ihren zwischen 1940 und 1945 geschriebenen Tagebüchern, die unter dem Titel Denken ist heute überhaupt nicht mehr Mode veröffentlicht wurden, zeichnete sie sich als entschiedenen Gegnerin des Nationalsozialismus aus.

Astrid Braun und Irene Ferchl, zwei in den Literaturkreisen Stuttgarts bekannte Frauen

Astrid Braun, die Vorsitzende des Vereins FdS Baden-Württemberg begrüßt die zahlreichen Gäste und führt in den Abend ein. Ausführlich auf den Preis und den Preisträger geht Irene Ferchl – in der Stuttgarter Literaturszene keine Unbekannte – in ihrer Laudatio ein. In der Begründung der Jury heißt es:

„Sometimes I feel like a motherless child” – so lautet eine Zeile aus einem Spiritual, die der Autor Ulrich Rüdenauer seinem Roman „Abseits“ vorausschickt. Kein Mensch ist ohne Mutter, aber manche Kinder lernen ihre Mutter nicht kennen, werden zu Verwandten gesteckt, bei denen sie ohne Liebe und Zuneigung, ohne Wärme und Geborgenheit aufwachsen, im Abseits. Die karge und kalte Welt auf einem Bauernhof im Südwesten Deutschlands, in der sich der junge Richard nach dem Krieg zurechtfinden muss, gewinnt Farbe, Licht und Wärme in der Fantasie. Worte können wärmen und beglücken, sie können das ersetzen, was an Nähe und Geborgenheit nicht gegeben wird. Der kleine Richard kann in seinem Kopf spazieren gehen, lernt sich in die Natur, in seine inneren Welten, in die Welt des geschriebenen Wortes zurückzuziehen. Rüdenauer erzählt die Geschichte einer bitteren Kindheit voller Empathie und kontrastiert sie mit dem Fußballwunder von Bern. Ein metaphorischer Bezug, der die Schwere der Geschichte, die auch von kollektiver Schuld und Verdrängtem erzählt, aufhebt. Ein außergewöhnlich feinfühliges Romandebüt.

Astrid Braun
Astrid Braun übergibt die Urkunde zum Anna-Haag-Preis 2025 an Ulrich Rüdenauer
Astrid Braun übergibt die Urkunde zum Anna-Haag-Preis 2025 an Ulrich Rüdenauer

Ulrich Rüdenauer bedankt sich mit einer bemerkenswerten Rede

Nach der Übergabe der Urkunde tritt Ulrich Rüdenauer ans Rednerpult. Er liest nicht aus dem Roman, sondern hält eine Dankesrede. Darin erläutert er seinen Werdegang vom Studenten der Germanistik und Politikwissenschaften hin zum Journalismus. Seine erste Station war ein Volontariat bei einer örtlichen Tageszeitung. Später ist er im Bereich Literatur und Musik für Medien wie den Deutschlandfunk, den SWR, den WDR, die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und andere als freier Journalist aktiv. Seit fast 20 Jahren betreut er die Reihe Literatur im Schloss in Bad Mergentheim. Ausführlich geht er auf Anna Haag ein und verbindet seine Biografie geschickt mit der Namensgeberin. Ihr Onkel erfand die legendäre Linotype-Setzmaschine, der er in seinem Volontariat begegnet war. In seiner Rede weist er mit Bezug auf Anna Haag auch auf die Gefahr hin, die auch heute wieder von den rechtsradikalen Akteuren ausgeht und die auf breiter Front in die Parlamente gewählt werden.

Der Geschäftsführer des Förderkreises, Nicolai Köppel, lässt den Abend ausklingen und lädt die Gäste ein, sich am Buffet zu stärken und ein Glas auf den Geehrten zu trinken.

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