Jan Snela und Björn Springorum verwandelten am 18. März 2025 die nächtliche Stadtbibliothek Stuttgart in eine individuelle Bühne. Über alle Stockwerke der Bibliothek wandern die beiden Autoren und sprechen auf den unterschiedlichen Etagen über ausgesuchte Bücher. Frederike Wiechmann moderiert den Abend und schleppt dafür einen Einkaufskorb mit all den Büchern, die die beiden Autoren vorstellen von Stock zu Stock. Jan Snela und Björn Springorum sprechen anhand dieser Bücher über das eigene Schreiben, Inspirationen, die sie für ihr eigenes Schreiben durch sie erhalten haben und über Bücher, die sie als Referenzen für das eigene, kreative Schaffen ansehen.
Beispiele gefällig?
Jan Snela stellt Das Reich der Zeichen von Roland Barthes vor. Ein schmaler Band, im Suhrkamp-Verlag erschienen. Auf einer Reise nach Japan wurde Roland Barthes mit der japanischen Zeichenwelt vertraut und bemerkte, dass diese Zeichen seiner Vorstellung vom Zeichen am nächsten kamen. Das japanische Zeichen ist stark: Es ist in bewundernswerter Weise Regeln unterworfen, angeordnet, dargestellt, niemals naturalisiert oder rationalisiert. Das japanische Zeichen ist leer: Sein Signifikat flieht, es gibt keinen Gott, keine Wahrheit, keine Moral, die diesen Signifikanten zugrunde liegt, die ohne ihr Gegenstück herrschen. Und vor allem sind die höhere Qualität dieses Zeichens, die Anmut seiner Behauptung und der erotische Charme, mit dem es auftritt, überall eingeprägt, auf den belanglosesten Gegenständen und Verhaltensweisen, die wir normalerweise in das Gebiet des Unbedeutenden oder Banalen verweisen. Indem Jan Snela all das über das schmale Bändchen berichtet, lässt er die Zuhörer auch an seiner eigenen Begeisterung für Japan teilhaben. Zen und Haikus haben im Leben von Jan einen großen Stellenwert, der sich nicht nur aus seinem familiären Hintergrund erklärt: Er ist der Sohn von Bogdan Snela, der zusammen mit seiner Frau Helena das Domicilium in Bayern aufgebaut hat, ein Zentrum für für Zen, Spiritualität und Bildung.
Hoch hinaus, bis ins 8. Stockwerk der Bibliothek, geht die Reise
Die Buchpräsentationen enden an diesem Abend im obersten Stockwerk der Bibliothek, in der Graphothek im 8. Obergeschoss. Björn Springorum stellt einen dickleibigen Comic über den Ausnahmemusiker Nick Cave vor. Autor und Zeichner Reinhard Kleist hat sich der realen Figur angenommen und schreibt in Nick Cave – Mercy on me über das Leben und Werk des Ausnahmekünstlers. Die expressiven Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Kleist entwerfen ein Panorama aus Leidenschaft, Abhängigkeit und Tod. Björn Springorum erzählt über seine Leidenschaft für die Musik von Nick Cave und warum er diesen Musiker für einen großen Künstler hält, der sich immer wieder aus schwierigen Lebenssituationen befreit hat. Gerne hört er die Musik von Nick Cave, wenn er an seinen Kinder- und Jugendbüchern schreibt.