Verena Boos arbeitet zur Zeit im Stuttgarter Schriftstellerhaus an einem neuen Werk. Sie ist in diesem Jahr die erste Stipendiatin im Schriftstellerhaus. Am 25. Februar 2025 war sie in der Stadtbibliothek Stuttgart mit ihrem letzten Roman „Die Taucherin“ zu Gast. Schnell hatte sie das Publikum auf ihre Seite gezogen. Voller Wärme beantwortet sie die Fragen des Moderators Björn Springorum nach ihren Stuttgart-Eindrücken. Sie kommt förmlich ins Schwärmen über all das, was sie in dieser Stadt bereits in den ersten Wochen entdeckt hat. Auch ihre momentane Unterkunft, die Stipendiatenwohnung im Schriftstellerhaus, beschreibt sie als perfekt geeignet für die Arbeit an ihrem neuen Roman. Das wunderbare, alte Gebäude, mitten in dem historischen Bohnenviertel gefällt ihr ausgenommen gut. Von hier aus hat sie nur ein paar Schritte zu Fuß zu gehen und sie ist in der Landesbibliothek, die sie für Recherchen ausgiebig nutzt. So eine Einrichtung fehlt in ihrer Heimatstadt Rottweil. Aber auch so mancher 50ziger Jahre-Architektur kann sie etwas abgewinnen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Besuchern der Stadt, die darüber eher die Nase rümpfen. Ihre Schwärmereien freuen den Modederator Björn Springorum, er ist selber ein Liebhaber dieser Stadt.
Pilgerschaft des Reisens
Verena Boos ist gerne auf Reisen, wenn sie an einem neuen Werk arbeitet. Reisen bedeutet für sie die Konzentration auf das Wesentliche, die Befreiung von der Bürde des Alltags. Es ist quasi eine Pilgerschaft des Schreibens, die sie an die, ihr in einem Roman wichtigen Orte, führt. Für Recherchen ihres Romans Die Taucherin war sie in Valentia. Sie kennt die spanische Küstenstadt gut, hatte 2006/2007 selber dort gelebt und gearbeitet. Ihre Protagonistin Amalia trägt autobiografische Züge. Wie sie liebt Vera Boos das Klettern und fühlt sich hingezogen zu Valencia. Neben München für Vera Boos ein Lieblingsort. Amalia hat in ihrer Kindheit längere Zeit mit ihrem Vater in Valencia gelebt, der zum Heiligen Gral geforscht hatte. Aus dieser Zeit kennt Amalia auch Marina, ihre engste Freundin seit Kindertagen.
Verena Boos liest aus Die Taucherin einige Passagen
Amalia hatte sich auf ein Stelle in Valencia beworben, doch es kam eine Absage, die Amalia aus der Bahn trieb. Sie hatte geglaubt – noch aus der Zeit mit ihrem Vater – gute Beziehung zum Sozial- und Kulturinstitut der Katholischen Universität in Valencia zu haben. Auch Marina hatte sich komisch verhalten. War die Ozeanografin beruflich überlastet oder durch war sie durch ihr privates Engagement für das Altstadtviertel, das zwischen Stadterneuerung und der Erhaltung historischer Bausubstanz dem Tourismus zum Opfer zu fallen drohte, gestresst? Amalia wusste es nicht. Zurück in der Heimat ihrer Eltern, ging sie erst einmal im Kandel, einem Gebirgszug im Schwarzwald, klettern. Hier, so hofft sie, kann sie den Kopf frei bekommen. Mit einer Kletterpartie beginn auch der Roman, dessen Anfang die Autorin an diesem Abend in der Stadtbibliothek liest. Noch während der Klettertour, bei der sich die Protagonistin übernimmt, bekommt sie anonymen Anrufe. Als sie diese endlich annimmt, stellt sich heraus, dass sie vom Handy ihrer Freundin aus Valencia kommen. Aber Marina ist verschwunden, es ist der Finder am Apparat.
Ein Buch mit einem Spannungsbogen

Schon auf den ersten Seiten schafft es Verena Boos einen Thrill zu erzeugen, der sich durch das ganze Buch zieht. Der vom Buch offensichtlich faszinierte Björn Springorum muss sich ein ums andere Mal in seiner von Empathie getragenen Moderation zurücknehmen, um nicht zu spoilern. Offensichtlich haben die gelesenen Auszüge und die Begeisterung des Moderators dafür gesorgt, dass der Bücherstapel mit dem Roman am Ende des Abends sichtlich geschrumpft ist.
Vera Boos kann von dieser Lesung zu Fuß zu ihrer Unterkunft laufen. Morgen früh wird sie sich sicher wieder an den Schreibtisch in ihrer Stipendiatenklause setzen oder wir treffen sie in der Landesbibliothek für weitere Recherchen an.
Wer an dieser lebhaften Lesung nicht teilnehmen konnte, dem sei die Veranstaltung zur Vorstellung der Stipendiatin im Schriftstellerhaus ans Herz gelegt: Am 17. März um 19 Uhr, Kanalstraße 4
Die Taucherin
Roman
288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Kanon Verlag Berlin, 24,00 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens