Elsternest

Bruce Springsteen singt Soulballaden

The Boss Springsteen Zum Abspielen des Songs „Only the Strong survive“ auf das Bild klicken

Ausschließlich alte Soul-Nummern covert Bruce Springsteen auf seinem neuen Album Only the Strong Survive. Auch wenn der Titelsong, auch von enttäuschten Gefühlen handelt, so weist Springsteen mit dem an Darwin erinnernden Motto auf die gesellschaftliche Realität. Springsteen hat ihn dem R’n’B-Sänger Jerry Butler abgelauscht, der damit 1968 groß herauskam.

Keine Politik – Hingabe an die Musik

Mitten im Herbst 2022, wenige Tage nach den Midterms, bringt Bruce Springsteen sein Album heraus. Von Politik ist explizit keine Rede. Und doch ist es gleichsam eine brüderliche Geste, wenn der alte weiße Sänger nun die Hits von u. a. Jerry Butler, Sam Moore, The Temptations, The Four Tops, William Bell oder Aretha Franklin zum Besten gibt, um seinen schwarzen Idolen die Ehre zu erweisen. Und der 73-Jährige taucht mit hörbarer Hingabe in diese Lieder ein, die ihn ein Leben lang begleitet haben. Springsteen interpretiert die alten Hits im Sinne von Standards, die generationenübergreifend funktionieren. Und noch etwas wird klar, wenn man mit dem Werk von Bruce Springsteen einigermaßen vertraut ist: hier öffnet der Mann seine Schatztruhe und zeigt, was ihn dazu inspiriert hat, eigene Lieder zu schreiben.

Einige werden Bruce Springsteen verdammen

Ich höre schon die Apologeten der Identitätspolitik „kulturelle Aneignung“ rufen. Aber was wissen die schon von der alle Menschen umfassenden Musik? Schon immer haben Musiker sich von anderen Musikern, – von anderen Kulturen inspirieren – lassen und haben damit ihre eigene Musik angereichert. Könnte heute angesichts der ideologischen Verhärtung noch ein Paul Simon ein Album wie Graceland  aufnehmen? Ihm würde der Wind ins Gesicht blasen wie allen, die sich bedienen im großen Ozean der Musikkulturen. Was wäre die Soukous-Musik aus dem Kongo, die stark vom Merengue die in de Dominikanischen Republik beeinflusst war? Nach 1960 wurde der Begriff Soukous bereits für einen in ganz Afrika sehr populären afrikanischen Tanz verwendet, der auf eine für Afrika spezifische Variante des Rumba getanzt wurde.

Die westafrikanische moderne Musik von Ghana über Sierra Leone bis nach Kamerun wurde von der kubanischen Musik und anderer, karibischer und südamerikanischer Musikstile beeinflusst. Dürfen sich Afrikaner die Musik der ehemaligen Sklaven und Einwanderer nach Kuba, in die Karibik aneignen? Ja klar aber doch, um Musik weiterzuentwickeln. Auch der Jazz ist ohne die Übernahme und damit verbundene Aneignung gar nicht denkbar.

Beim Zuhören geht einem das Herz auf

Bei Bruce Springsteen, der gerne als The Boss bezeichnet wird, ist die Aneignung als ein Zeichen von Demut und Respekt zu verstehen. Und sie ist musikalisch geglückt. Die Stimme ist der Herausforderung gewachsen. Bruce Springsteen singt mit viel Kraft, Forschheit und Spaß. Er lässt das Herz seines Zuhörers aufgehen. Das zeichnet gute Musik aus: Sie zielt auf das Herz des Zuhörers und beglückt seine Seele. Wie Springsteen hier Solistinnen und Musiker aller Hautfaben zusammenführt, zeigt das offizielle Video Nightshift auf wundervolle Weise. Eine Hommage an die Zusammenarbeit aller Beteiligten jenseits von Geschlecht und Hautfarbe.

Bruce Springsteen mit Nightshift Zum Abspielen des Songs „Nightshift“ auf das Bild klicken

Zum Vergleich das Original von Commodores hier aus dem Jahr 1985

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