Elsternest

Petra Reski liest im Haus der katholischen Kirche Stuttgart

Petra Reski

Auf Einladung der AnStifter und der Stiftung Geißstraße 7 las die deutsche Journalistin Petra Reski am 18. Oktober 2021 in Stuttgart. Nicht über die Mafia berichtet die Wahl-Venezianerin in ihrem neuen Buch, wie die Ankündigung der AnStifter nahe legte. Sie berichtete von ihrem Leben in Venedig, das vor über dreißig Jahren mit einem Aufenthalt für eine Reportage im Auftrag einer großen deutschen Illustrierte begann. Sie verliebte sich nicht nur in die Stadt Venedig, sondern auch in einen Mann, den sie im Buch nur den Venezianer nennt und der nun schon seit vielen Jahren ihr Ehemann ist.

Fischer Alberto wohnt nicht mehr in der Altstadt

Sie erzählt von ihrem Freund, dem Fischer Alberto, dem sie voller Stolz ihr neu erworbenen Fischerboot, einem topetta zeigen will. Und sie erzählt davon, dass Alberto sich am anderen Ende der Leitung aus dem Teil der Stadt meldet, der auf dem Festland liegt. Alberto ist aus Altstadt Venedig nach Mestre auf dem Festland gezogen, der ein Stadtbezirk der Großstadt Venedig ist. Einer neben den anderen sechs Stadtbezirken.

Petra Reski schreibt in lakaonischem Reportagestil

Das alles schreibt Petra Reski in ihrem neuen Buch Als ich einmal in den Canal Grande fiel in lockerem Reportagestil mit viel Sympathie für diese ungewöhnliche bezaubernde (Alt-)Stadt. Sie verschweigt allerdings auch nicht, das diese alte Venedig vom Untergang bedroht ist: durch das ständig höher werdende Hochwasser, acqua alta, die Erweiterung des Seehafens (ist Teil des chinesischen Seidenstraßenprojektes) und die Kreuzschifffahrt. Die UNESCO hat angekündigt, Venedig auf die „Rote Liste“ der gefährdeten Welterbestätten zu setzen. Damit würde die „Serenissima“ auf dem gleichen Rang stehen wie Timbuktu oder Damaskus, zwei durch Kriege zerstörte Städte. Die UNESCO forderte, dass Kreuzfahrtschiffe aus der Lagune verbannt werden. Zwar fahren die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr vor dem Markusplatz her, sondern nehmen eine andere Route zum Hafen. Dadurch ist aber die Zahl der Touristen, die per Schiff nach Venedig reisen, nicht geringer geworden. Es ist eine geschickte Falschmeldung der Stadtverwaltung, die über die Zeitungen und die Medien verbreitet wurde.

50.000 gegenüber 180.000

Seit Jahren versuchen die Venezianer der Altstadt, dass sie von den anderen Stadtteilen Autonomie erlangen. Viele vergebliche Referenden hat es dazu gegeben. In der Altstadt leben heute etwa 50.000 Einwohner, auf dem Festland 180.000. Ein dramatischer Bevölkerungsrückgang ist in der Altstadt zu verzeichnen, seit 1980 hat sich die Zahl halbiert. Viele Venezianer ziehen auf das Festland und vermieten ihre Wohnungen über AirBNB. Da ist klar, wer das Sagen in der Stadt hat und wohin das Geld fließt: in die Straßen- und Hafen-Infrastruktur und nicht in die Sanierung der Altstadt. Wertvolle Bausubstanz (wie z. B. das historische Postamt) wird an Investoren verkauft, die – im Falle des alten Postamtes – ein Einkaufszentrum damit umgestalten.

Reporterin und Aktivistin

Petra Reski macht auf diese Missstände im beiläufigen Reportagestil aufmerksam. In der Diskussion wird sie schärfer und pointierter. Sie beklagt, dass die Chancen für einen nachhaltigen „Nach-Covid-Tourismus“ vertan werden. Das Leben in Venedig bestehe, so Petra Reski, vor allem darin, der „Stadt beim Sterben zuzuschauen“. Doch da sie um den Zauber des „realen Traumgebildes“ weiß, kann sie sich damit nicht abfinden: Sie ist zur sendungsbewussten Aktivistin geworden.

Die italienische Regierung verteidigt weiterhin das Geschäft mit der Kreuzfahrtindustrie und dem Ausverkauf Venedigs und es ist zu befürchten, dass die UNESCO bei der Drohung, der Stadt den Status des Weltkulturerbes zu entziehen, einen Rückzieher macht. Der Ausverkauf Venedigs geht weiter. So malt sie von der Entwicklung der Serenissima (1) ein durchaus düsteres Bild.

Als ich einmal in den Canal Grande fiel
272 Seiten, gebunden
Droemer Knaur Verlag, Preis: 18,00 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

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(1) Serenissima (von lateinisch serenus „heiter“, „ruhig“, „gelassen“) steht für den Beiname der Republik Venedig. Verkürzt aus dem offiziellen Staatstitel La Serenissima Repubblica di San Marco „Die allerdurchlauchteste Republik des Heiligen Markus“

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