Elsternest

Vom Leben vor dem Sterben

Sibylle Knauss in Ludwigsburg
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Für Sibylle Knauss ist die Vorstellung ihres neuen Romans am 24. Februar 2017 in Ludwigsburg ein Heimspiel. Wohnt doch die Autorin in unmittelbarer Nähe dieser Stadt und hat lange Zeit als Dozentin an der Filmakademie in Ludwigsburg für das Fach Drehbuch gearbeitet. Seit 1981 legt sie regelmäßig Romane vor, früher unter anderem im Hoffmann und Campe Verlag. Ihr Verleger Hubert Klöpfer ist sichtlich stolz, dass er den neuen Roman von Sibylle Knauss, Der Gott der letzten Tage nach Das Liebesgedächtnis in seinem Verlag verlegen konnte. Er betont, es solle nicht bei diesen beiden Romanen in seinem Hause bleiben.

Der Gott der letzten Tage ist ein Roman von der Lebensgrenze. Für Sibylle Knauss hat die Frage, was nach dem Tod kommt, eine große Anziehungskraft: Sie hat in München und Heidelberg nicht nur die Fächer Germanistik und Anglistik studiert sondern auch Theologie.

Philosophische Betrachtungen

Den philosophischen Prolog zum Roman liest Sibylle Knauss zu Beginn, um dann in die Geschichte einzutauchen. Es ist keine leichte Geschichte, die sie für ihren 15. Roman ausgesucht hat. Sie handelt von einem im Sterben liegenden evangelischen Pfarrer und sie ist eine Ars Moriendi, wie die Autorin Sibylle Knauss zu Beginn der Lesung erläutert. Aber zugleich sei die Geschichte auch eine Ars Vivendi, denn sie sei Mut machend und in weiten Teilen humorvoll. Nach einem Kurzbesuch bei Gott kehrt der Pfarrer durch Reanimation wieder für kurze Zeit ins Reich der Lebenden zurück. Er liegt in einem Krankenhausbett, Schläuche stecken in seinen Armen und hinter ihm piepsen die Maschinen, die ihn künstlich am Leben erhalten und die für ihn das Atmen übernehmen. Er will sprechen, kann aber nicht. Er hat nicht mehr lange zu leben, er will das Bewusstsein von Pein, Hilflosigkeit und großer Angst nicht.

Obwohl er in seinem Leben als Pfarrer Hunderte von Grabreden gehalten hat, muss er sich nun persönlich mit dem großen Ungewissen nach dem letzten Atemzug auseinander setzten, und muss lernen, dieses Ungewissheit zu akzeptieren: Ist es das Nichts oder vielleicht auch das Ewige? Es dauert nicht lange, bis Gott persönlich auftaucht. Der Sterbende ist so sehr isoliert, dass ihm nichts übrig bleibt, als mit eben jenem in einen gedanklichen Dialog zu treten. Er, der Pfarrer, ist kein Beispiel an Tugend. Er hat seine Frau Margarete geschlagen. Vieles ist daraufhin zusammen gebrochen. Seine spätere Geliebte Irene verlor er bei einem Autounfall. Hier im Sterben denkt er an sie. Das liest Sibylle Knauss im vierten Teil ihrer Buchpräsentation. Und am Schluss liest sie folgenden Dialog zwischen Gott und dem sterbenden Pfarrer:

„Unter all meinen Schöpfungswundern warst du eines. Genügt das?“
„Ja. Das genügt.“
Damit klappt sie das Buch zu.

Der Gott der letzten Tage
Roman
184 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
Klöpfer & Meyer, Preis 20 €

zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

Eine ausführliche Rezension des Romans in der Buchbesprechung des Elsternests hier.

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