Elsternest

Darf Helen Mirren als Nichtjüdin eine jüdische Figur spielen?

Diese Frage nach Helen Mirren stellt die Süddeutsche Zeitung. Wie kommt sie dazu?

Kann Golda Meir nur von jüdischen Schauspielerinnen gespielt werden?

Helen Mirren spielt in einem Kinofilm die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir. Jetzt hat sie Ärger, weil sie selbst keine Jüdin ist. Unvermittelt ist Helen Mirren, Vorkämpferin für Gleichberechtigung jeder Art, im Zentrum einer Diskussion gelandet, die unter dem Stichwort Jewfacing stattfindet. Soll Helen Mirren nur noch Frauen spielen, die so sind wie sie, fragt man sich. Und was würde das bedeuten?

In den sozialen Netzwerken wird über die Rolle von Helen Mirren heftig diskutiert

Einzelne Nutzer sozialer Netzwerke sehen darin ein Problem: Mirren ist keine Jüdin. Sie spielt aber die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir. Man wirft ihr kulturelle Aneignung vor. Ist das nicht die ureigenste Aufgabe eines Schauspielers, einer Schauspielerin, in eine Rolle zu schlüpfen? Wo endet das Rollenspiel, wo beginnt die kulturelle Aneignung? Der Vorwurf der kulturellen Aneignung wird immer häufiger von „wogen“ Linken erhoben. In Hollywood gilt heutzutage die Regel, wer nicht die ethnische Abstammung oder sexuelle Orientierung einer Rolle hat, soll sie nicht spielen. Es sei denn, eine früher unterrepräsentierte Minderheit übernimmt Rollen aus der Mehrheitsgesellschaft.

Wie könnte die Karriere der Helen Mirrow aussehen?

Helen Mirren hieß mal Helen Lydia Mironoff, ihr Vater ist Russe. Hätte sie je eine Engländerin spielen dürfen? Und dazu noch Elisabeth I.? Oder gar die Queen? Die absurden Regeln der Amazon Studios bezüglich der Besetzung von homosexuellen Figuren etwa legen nahe, dass Angehörige von Minderheiten nur von Angehörigen von Minderheiten gespielt werden dürfen. Andersherum solle das aber nicht gelten.

Was lernen wir daraus? Wenn man die Gesellschaft nur lange genug aufspaltet, sind alle Mitglied von Minderheiten.

Ein Kommentar

  1. Es gibt Dinge, die, wenn sie die Mehrheitsgesellschaft diskutiert, ungeheuer skuril wirken (müssen). Dazu gehört Blackfacing, Gendern, Quote, drittes Geschlecht, etc. Skurilität bedeutet gleichzeitiges Kopfschütteln und Unverständnis. Die Mehrheitsgesellschaft und deren Diskutanten scheinen das zu brauchen, um ihre Reihen zu schließen und deren ranzig werdenden Anspruch etwas aufzuhübschen. Aber genau die Vehemenz, mit der bestimmte Phänomene – hier das „Jewfacing“ (von dem ich persönlich bisher noch nie gehört habe) – nicht nur besprochen, sondern gleichzeitig auch lächerlich gemacht werden, ignoriert die tatsächlich fehlende sachliche Grundlage der vermeinlich kritisch sich äußernden „Minderheiten“, die letztlich, wie im Fall Helen Mirren, jegliche schauspielerische Aktivität unmöglicht machen würde, denn was ist die Darstellung einer Person anderes, als deren „kulturelle, persönliche und psychologische Aneignung“ zu einem dieser Person vollkommen fremden Prozess des filmischen Erzählens. Einzug gehalten hat in den öffentlichen Diskurs seit einiger Zeit das “ hingehaltene Stöckchen“, über das man nun wirklich oft nicht springen muss.

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