Elsternest

Drei Tempel um Takamatsu und 12 km Fußmarsch (JR-10)

TakamatsuNach einem wunderbaren Frühstück im Hotel Takyu Rei geht es gut gestärkt, umweht von frischer Morgenbrise mit dem Bus zum Tempel 80: Kukubun-ji.

Tag 10: Takamatsu, 19. Oktober 2023

Eine wunderbare, sehr gepflegte Tempelanlage. Die große Ruhe ausströmt. Aus zusammengerechten Kiefernnadeln wurde ein großes Herz ausgelegt und die Darstellung des durch ein goldenes Band zusammen gehaltenen Eheleute passt ganz wunderbar zu dem aus Kiefernnadeln geformte Herz.

Dieser Wächter hat ein scharfes Schwert wie der Erzengel MichaelÜberall finden sich Legenden und Mythen

Die Tempelglocke des Kokubun-ji ist die älteste Glocke auf Shikoku. Von ihr heißt es:

„Eine riesige Schlange hatte die Glocke getragen. Dann erwarb Ikoma Kazumasa, ein Samurai, in der frühen Edo-Zeit (1603-1868), die Glocke im Austausch für ein großes Gebiet mit Reisfeldern, um sie als Glocke der Burg Takamatsu zu verwenden. Es waren jedoch ungewöhnlich viele Männer und Pferde erforderlich, um die Glocke zur Burg zu transportieren. Als sie auf der Burg ankamen, läutete sie nicht. Dann brach im Schloss eine schwere Krankheit aus, an der der Samurai Ichimasa erkrankte. Die Glocke erschien jede Nacht am Bett des kranken Samurais, weinte und sagte: „Ich möchte nach Kokubunji zurückkehren.“ Am Ende wurde die Glocke an Kokubunji zurückgegeben. Anders als damals, als die Glocke zur Burg getragen wurde, wurde sie diesmal von nur wenigen Personen problemlos getragen.“

Bis zum nächsten Tempel sind es etwa 7 km strammen Fußmarsches. Anfänglich durch die Ebene, hinaus aus dem Stadtteil von Takamatsu, Kokubunjicho Kokubu, über Asphaltstraßen, die in einen befestigten Pfad übergehen, der steil ansteigt. Kein leichtes Unterfangen. Doch als die Asphaltstraße weit über Kokubunjicho Kokubu erreicht ist, scheinen den Pilgern neue Kräfte zuzuwachsen. Es geht sich leicht und die Aussicht auf eine Bento-Box am 81. Tempel (Shiromine-ji) beflügelt zusätzlich. Dort treffen die Wanderer auch auf den Rest der Gruppe, die diesen anstrengenden Teil mit dem Bus (und dem darin befindlichen Mittagessen) zurückgelegt hat.

Makrele auf Reis und Kaffee aus der Dose

Ein heißer Kaffee - dieser Wunsch von M. ist bereits erfüllt, den muss er nicht auf ein Wunsch-Holztäfelchen schreiben
Ein heißer Kaffee – dieser Wunsch von M. ist bereits erfüllt, den muss er nicht auf ein Wunsch-Holztäfelchen schreiben

Es gibt nicht nur leckeres Essen aus der Bento-Box: geräucherte Makrele auf Reis, Gemüse, Nudeln und Nachttisch, alles in separaten Mulden, sondern auch heißen Kaffee aus der Dose. Ein Getränkeautomat vor dem Tempelgelände bietet neben kalten Getränken auch heiße Getränke, eben in Dosen. Warum bis jetzt noch kein Mensch in Deutschland darauf gekommen ist, kann sich M. nicht erklären. Der Kaffee belebt die Lebensgeister von M. zusätzlich. So gestärkt kann die zweite Etappe in Angriff genommen werden. Die Gruppe wird verstärkt durch die mit dem Bus gefahrenen Pilger. Es liegen etwa 5 km Waldweg zwischen Tempel 81 und Negoro-ji, dem 82. Tempel in der Shikoku-Tempelreise.

Auf einem Waldweg zum Negoro-ji

Eine wunderschöne Waldwanderung, teils durch Bambuswälder. Unterwegs ein kleiner Rastplatz, auf dem für die Pilger o-settai ausgelegt wurde: Gaben für die Pilger. Der Negoro-ji liegt völlig umgeben von Wald. Durch das Tempeltor gelangt man auf die Tempelanlage, muss allerdings dann erst eine über 100 m lange, in Abschnitte gegliederte Treppe passiert, bis man auf der linken Seite das Mönchsquartier mit Gästehaus erreicht.

Waschritual
Wie immer zu Beginn das Waschritual, dann können die anderen rituellen Handlungen durchgeführt werden, wie auch die Wünsche – auf Zettel geschrieben – aufknüpfen

Auf der rechten steht der Glockenturm und die Gedenkhalle für den Tempelgründer das daishidō. Nach den letzten Stufen steht man an einem Umgang in dem 33000 kleine Kannon-Figuren aufgestellt sind. Die Haupthalle (hondō) erreicht man erst nach dem Innenhof.

Erst auf dem Rückweg, auf dem Parkplatz neben dem Bus, entdeckt M. die Figur eines Ushi-oni. Das ist ein Wesen mit einem Rinderkopf, die Übersetzung heißt „Rindsteufel“. Viel zu müde von den anstrengenden Fußmärschen kann die Pilgerschar sich von dem Rindsteufel nicht mehr fürchten.

Zurück im Hotel wartet auf M. und seine Mitpilger ein weiterer Vortrag von Michael von Brück aus dem Buch von Keiji Nishitani „Was ist religion?“. So wird die körperlich anstrengende Wanderung noch mit einer intellektuellen Herausforderung gekrönt.

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