Elsternest

Der letzte Tag des Shikoku henro (JR-11)

Sandalen des henro am Eingangstor des 88. Tempels

Tag 11: Sanuki -> Kyōto, 20.10.2023

Die aufgehende Sonne taucht die Stadt in rötliches Licht, weckt die Lebensgeister, wird dabei unterstützt von ein paar Tassen heißem, wohlschmeckendem Kaffee und einem ausgiebigen Frühstück. So gestärkt machen sich die henro auf den Weg zum 88. Tempel, dem Ōkubo-ji, dem letzten Tempel der Pilgerreise auf der Insel Shikoku.

Die Strohsandalen sind allen zu groß

Dort angekommen geht es durch das Tempeltor. Wieder die übergroßen Strohsandalen des Mönches Kūkai. Keinem der deutschen henro passen diese Sandalen. Aber auch sie haben in den letzten Tagen das Erhabene der Pilgerschaft erlebt und sind im Herzen berührt. Nachdem ein jeder die große Tempelglocke geschlagen hat, geht es zum Haupttempel (hondō) und dem Kūkai geweihten Tempel, dem daishidō.

henro Pilgerstöcke gesammelt im Tempel 88

Auf dem Weg dorthin steht ein Schrein. Auf seinem Dach eine mit Ringen behangene Säule, die den ursprünglichen Wanderstab (shakujō) der Mönche symbolisiert. Im Schrein unzählige Pilgerstöcke. Die Pilger können nach der Pilgerschaft ihren Wanderstock hier – gegen eine Gebühr von 1.000 Yen – hinterlassen. Die gesammelten Pilgerstöcke werden alle fünf Jahre in einer feierlichen Zeremonie verbrannt.

Gedenken an die Opfer der Atombomben

Vor dem Schrein brennt, vor Wind geschützt in einem Glaskasten, die Ewige Flamme zur Erinnerung an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki 1945.

Tempelstempel und Gruppenfoto

Nach dem Besuch der Tempel und dem Anzünden der Räucherstäbchen geht M. voller Freude zum Stempelbüro, um sich den letzten Stempel in sein Tempelstempelbuch eintragen zu lassen. Zum letzten Mal sieht er zu, wie der Mönch geschickt mit dem Tuschepinsel die Kalligrafie des Tempels zwischen die Stempelabdrücke zeichnet. Das Tempelstempelbuch wird M. ein wertvolles Andenken an seine Pilgerschaft sein.

Keine Shikoku-Pilgerreise ohne das obligatorische Gruppenfoto der henro im Tempel 88. Im Tempelhof gibt es dafür eine kleine Tribüne, so dass die in Gruppen pilgernden henro alle gut sichtbar aufs Bild kommen.

Strudelige Überfahrt nach Kyōto

Mit dem Bus geht es Richtung Osten, vorbei an Naruto, wo die Pilgerreise auf Shikoku ihren Ausgang genommen hat. Noch einmal über die Strudel von Naruto (uzo no michi). Es scheint lange her zu sein, dass M. fasziniert dieses Naturschauspiel betrachtet hat. So viele neue Eindrücke hat er auf seiner Pilgerschaft gewonnen.

Von Shikoku geht es zurück über die Insel Awaji-shima nach Kyōto, der alten Hauptstadt des japanischen Königreichs und Ziel der Gruppe für die restlichen vier Tage.

Ein Tempel geht noch

Pagode des Tō-ji TempelsBevor das Hotel angesteuert wird, wird ein Stopp eingelegt am Tō-ji Tempel (wörtlich: „Ost-Tempel“). Hier wirkte Kūkai als Abt. Besonders beeindruckend die fünfstöckige Pagode. Als höchste aller erhaltenen Pagoden ist sie ein Wahrzeichen von Kyōto. Nomalerweise ist ein Zutritt in eine Pagode, die wichtige Heiligtümer / Reliquien enthält, nicht möglich. Im Tō-ji ist der Zutritt möglich, dank einer großen Austellung auf dem Gelände des Tempels. Er ist Haupttempel des Tō-ji-Zweigs der Shingon-shū und damit Namensgeber für den an ihm gepflegten Zweig des esoterischen Buddhismus, das Tōmitsu

Baugeschichte

Wikipedia weiß zu berichten:

Da in der Hauptstadt des Landes, Heijō-kyō (heute Nara) die Priester mit ihren Tempeln zu mächtig geworden waren, beschloss der Kaiserhof die Anlage einer neuen Stadt, in der nur Platz für zwei Tempel vorgesehen wurde. Diese neue Stadt, deren Aufbau im Jahr 794 begann, wurde Heian-kyō genannt, die geplanten Tempel „Ost-Tempel“ und „West-Tempel“ genannt. Für sie war ein Platz östlich und westlich der Nordsüdachse vorgesehen, die durch das Rajōmon abgeschlossen wurde. Der Sai-ji ging bereits im 13. Jahrhundert verloren, der To-ji wurde 823, die Bauarbeiten waren immer noch nicht abgeschlossen, vom kurz danach abdankenden Kaiser Saga dem Mönch Kūkai übereignet.

Beeindruckende sakrale Kunstwerke

Besonders beeindruckend die vielen Figuren in der Lehrhalle. Es sind die für das Shingon wichtigsten Gottheiten dargestellt. Sie stammen vermutlich aus der Gründungszeit des Tempels, also aus dem 9. Jahrhundert und sind die älteste erhaltene originale Aufstellung in Japan. Die Aufstellung ist ein gigantisches, dreidimensionales Mandala.

1994 wurde der Tō-ji zusammen mit anderen historischen Stätten in Kyōto von der UNESCO zum Weltkulturerbe „Historisches Kyōto“ ernannt.

Die Reise ist noch nicht zu Ende

Mit dem Ende der Pilgerreise auf der Insel Shikoku endet auch die Gemeinschaft von M. mit seinen beiden Stuttgarter henro S. und J. Sie hatten sich auf der Insel in allen Unterkünften ein Zimmer geteilt. Im Urban Hotel Kyōto Shijo Premium gibt es nur Doppel- und Einzelzimmer. Das Los entscheidet über die Aufteilung der beiden Zimmer.

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