Elsternest

E wie Eagles – Hotel California, Teil 5 der Top 10

Eagles Hotel California
Don Henley (Gesang, Schlagzeug, Gitarre, Klavier) , Joe Walsh (Gesang, Gitarre), Randy Meisner (Gesang, E-Bass), Glenn Frey (Gesang, Gitarre, Klavier), Don Felder (Gesang, Gitarre). (v.l.)
Foto: Anonymous / Getty / eigene Bearbeitung

Die Eagles wurden 1971 in Los Angeles gegründet. Sie zählten fast ein Jahrzehnt lang zu den erfolgreichsten amerikanischen Gruppen und führenden Protagonisten der als West Coast Music bezeichneten Stilrichtung der 1970er Jahre.

Durch diverse Umbesetzungen formen sich die Eagles

Nach einigen Umbesetzungen entwickelte die Band mit ihrem harmonisch präzisen, mehrstimmigen Gesang auf der musikalischen Grundlage von Country-Musik, Folk, Bluegrass und Rockmusik ihren eigenen, typischen Eagles-Sound. Mit Hotel California schrieben sie Geschichte und einen der erfolgreichsten Titel der Rockgeschichte.

New Kid in Town. Und auch wenn Winter herrscht, erklingt mit diesem Lied in den Radios dieser Welt ein beispielloses Gefühl von Sommer. Und viele Menschen – sehr viele sogar – sind absolut fasziniert von dem Gitarren-Sound, der da zu hören ist. Ein Gitarren-Solo von der gewohnt hohen Güteklasse der Eagles würde zum Glücklichmachen schon reichen. Aber dass hier gleich ZWEI Gitarren zu hören sind – zwei Gitarren, die sich förmlich duellieren – das hat es bis dahin nicht gegeben. Und das ist nur eine von vielen Kleinigkeiten, die dieses Album zu einem Meilenstein der Musikgeschichte machen.

Die Wurzeln der Eagles liegen hörbar in der Country Music

Ihre Wurzeln liegen in der Country Music. Keines der Bandmitglieder kommt aus Kalifornien. Aber alle Musiker wissen Anfang der 70er Jahre: Karriere kann man nur in Kalifornien machen. Sie starten ursprünglich als namenlose Hintergrundband von Linda Ronstadt. Die ist so begeistert von den Kollegen, dass sie ihnen ein gemeinsames Band-Projekt anbietet, aber die musikalischen Köpfe der Truppe – Don Henley und Glenn Frey – sagen ab. Sie wollen eine eigene Band gründen. Die beiden leben zur Untermiete bei Jackson Browne, der auch noch auf seinen Durchbruch wartet. Browne klimpert ständig eine Melodie. Dabei singt er regelmäßig einen Text, den er aber irgendwie nicht zu Ende bringen kann. Hier springt Glenn Frey ein. Das ist die Geburtsstunde des Songs Take it Easy – und das ist damit auch die Geburtsstunde der Eagles. 1972 kommt ihr Debut-Album Eagles raus – und der Opener ist Take it Easy.

Im Jahrestakt bringt die Truppe ein Album nach dem anderen heraus. Hotel California ist Album Nummer fünf. Aus amerikanischen Superstars werden amerikanische Weltstars. Hier bringen sie das zur Vollendung, was sie in den ganzen Jahren schon konstant vorangetrieben hatten: ihren musikalischen und textlichen Kommentar zum American Way of Life. Und den kennen sie zur Genüge. Sie können ihn auf die klassische Formel bringen: Sex, Drugs, Rock´n´Roll. Und dazu noch das viele Geld. Die Eagles kommentieren nicht bloß: sie kritisieren. Aber weil sie das sowohl textlich und musikalisch so überaus gekonnt machen, werden sie Publikums-Lieblinge, die auch von der Presse gelobt werden. Die Gesangs-Harmonien sind zum Dahinschmelzen. Die handwerkliche Perfektion an den Instrumenten atemberaubend.

Bemerkenswerte Texte

Die Texte: bemerkenswert! Auf dem Album Hotel California spricht die Band ganz ungeschminkt die hässliche Wahrheit aus über den Umgang des Weißen Mannes mit den amerikanischen Ur-Einwohnern. Manches ist gerade heraus. Manches ist verklausuliert: Die berühmte Text-Zeile „You can check out any time you like – but you can never leave!“ aus dem Titelsong des Albums hat schon immer Rätsel aufgegeben. Was meinen die damit? Geht es um Drogenkonsum? Ist mit dem Hotel eine Irrenanstalt gemeint? In zahlreichen Interviews der darauffolgenden Jahre deutet sich an: Das Hotel steht symbolisch für den Riesen-Erfolg der Band, die immer unterwegs ist, ständig auswärts übernachten muss, mit Unsummen von Geld konfrontiert ist, mit Groupies, mit Drogen. Das alles sind Annehmlichkeiten, denen man nur schwer widerstehen kann – selbst wenn sie sich als leere Versprechungen erweisen. Man kommt nicht von ihnen los. Auch nicht Jahre später. Der Erfolg wird zuviel für die Band. Sie braucht vier Jahre bis zum nächsten Studio-Album The Long Run. Die Musiker streiten sich so sehr, dass sie auseinanderbrechen. „Eher friert die Hölle zu, als dass wir noch einmal als Eagles zusammenkommen“, sagen sie. – Eineinhalb Jahrzehnte später friert die Hölle dann tatsächlich zu. Denn dann rauft man sich wieder zusammen und das Album Hell freezes over erscheint.

Die Eagles haben keine Scheu vor Liebeslieder

Henley schrieb ein monumental mit Orchester arrangiertes, bitteres Schmachtlied über eine junge Frau, die er geliebt hatte, und nannte es Wasted Time: „You never thought you’d be alone/ So far down the line.“ Die junge Frau, die er geliebt hatte, glaubte zu Recht, dass der Song von ihr handelt, und war beleidigt. Von dem Stück gibt es eine Reprise auf der zweiten Seite der Platte.

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