Elsternest

Hubert Klöpfer hat ein neues Zuhause gefunden

Wolfgang Tischer, Verleger Alfred Klemm, Hubert Klöpfer (v.l.n.r)
Wolfgang Tischer, Verleger Alfred Klemm, Hubert Klöpfer (v.l.n.r) (Bildschirmfoto

 

Jahrelang galt der Klöpfer-Verlag in Baden-Württenberg als Garant für gute Literatur. Als Hubert Klöpfer vor einigen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gehen wollte, suchte er ein neues Zuhause für seine Autoren. Dies fand der Hubert Klöpfer zuerst in der Verlagskooperation mit Narr. Die Verlagsneugründung „Klöpfer, Narr“ währte nicht lange.

Hubert Klöpfer startet noch einmal neu beim Kröner Verlag

2021 startete die Edition Hubert Klöpfer beim Kröner Verlag. Der heute neunundsechzigjähige Hubert Klöpfer hatte mit dem Verleger Alfred Klemm einen guten Partner gefunden. Eine Win-Win-Situation: Das Stuttgarter Haus mit seiner über hundertjährigen Geschichte hatte sich in den vergangenen Jahren immer mehr der schönen Literatur geöffnet. Für den Kröner Verlag bedeutet das neue verlegerische Engagement mit den Titeln von Klöpfer eine stimmige Weiterentwicklung. Die neue Zusammenarbeit wurde am 15. April 2021 im Hospitalhof Stuttgart einem breiten Publikum (coronabedingt leider nur via ZOOM-Stream) vorgestellt. Wolfgang Tischer, zweiter Vorsitzender im Schriftstellerhaus Stuttgart, moderierte den Abend und sprach im ersten Teil des Abends mit Hubert Klöpfer und Alfred Klemm über die Zusammenarbeit.

Zwei Verlegerpersönlichkeiten begegnen sich mit großem Respekt

Die Hinwendung zur deutschsprachigen Literatur, hätte sich beinahe organisch entwickelt, erläuterte Alfred Klemm. Und er empfand es als Glücksfalle, dass Hubert Klöpfer mit seinem Gespür für außergewöhnliche und gute Literatur die Programmleitung für die neue Sparte übernimmt. Beide verbindet neben der Leidenschaft fürs Büchermachen eine jahrelange Freundschaft.

Hubert Klöpfer hat einige seiner renommiertesten Autoren in den neuen Verlag einbringen können. Sieben Titel sind im Kröner Verlag verfügbar. Unter ihnen der Tübinger Autor Joachim Zelter, Peter Blickle und Daniela Engist, die an diesem Abend ihre neuen Werke vorstellten. Joachim Zelter ist bekannt für seine lebendigen Lesungen und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch der Auszug aus seinem neuen Roman Die Verabschiedung der Höhepunkt des Abends wurde.

Joachim Zelter stellt seinen neuen Roman Die Verabschiedung vor

Wolfgang Tischer im Gespräch mit Joachim Zelter Vorstellung Klöpfer Edition
Wolfgang Tischer im Gespräch mit Joachim Zelter

Der Roman erzählt die Endlosigkeit und Aussichtslosigkeit eines Asylverfahrens in Deutschland, wo auch eine Ehe kein hinreichender Grund mehr für irgendetwas ist – schon gar nicht für ein Hier- oder Zusammensein. Der Roman beschreibt einen kafkaesk-kalten Kosmos akribischen Rechts, in dem die beteiligten Menschen – in einem endlosen Kraftakt – immer mehr an Autonomie und Substanz verlieren, bis kaum mehr etwas von ihnen übrig ist. Es ist die Geschichte von Julia und Faizan, die in Liebespaar geworden sind, er der Asylbewerber aus Pakistan, ohne Chancen auf ein Bleiberecht. Auch die Heirat hilft ihnen nicht weiter, denn mit einer Ehe wird die Abschiebung nicht verhindert. Joachim Zelter fiktionalisierte in diesem Roman die Erlebnisse seiner Schwester.

Peter Blickle ist von den großen Seen / Michigan, USA, zugeschaltet

Peter Blicke, aus den USA zugeschaltet
Peter Blicke, aus den USA zugeschaltet

Als nächster wird Peter Blickle von der Leiterin des Hospitalhof, Monika Renninger, der vorgestellt. Peter Blickle, 1961 in Ravensburg geboren, aufgewachsen im oberschwäbischen Wilhelmsdorf, ist Professor Emeritus für deutschsprachige Literatur und Gender and Women’s Studies an der Western Michigan University in Kalamazoo/USA, zwischen den großen Seen Michigans gelegen. Er ist aus den USA zugeschaltet. Er lebt an den großen Seen in Michigan. Zwischenzeiten ist in Michigan entstanden, wiewohl er im Oberschwäbischen spielt, am Bodensee. Der Roman ist Teil der oberschwäbischen Literatur, zu der auch Martin Walser, Maria Beig und Arnold Stadler zählen.

Peter Blickle erzählt über das Andere in uns – das andere Geschlecht, die andere Heimat, die anderen Religionen, die anderen Himmel. Welten prallen aufeinander – christliche und muslimische, amerikanische und deutsche, pietistische und ungeweihte, wissenschaftliche und spiritistische, und dabei geht es um Menschen in ihrem Ringen um Liebe und Verbundenheit, in ihrer Sehnsucht nach Erlösung. Das erzählt Peter Blickle in einer sehr poetischen Sprache, die sich in ihrem Rhythmus leicht ins Zuhörerohr einschleicht.

Daniela Engist erzählt vom Begehren

Daniela Engist
Daniela Engist liest aus „Lichte Horizonte“ (Bildschirmfoto)

Als letzte Autorin aus der neuen Edition wird Daniela Engist, wiederum von Wolfgang Tischer, vorgestellt. Daniela Engist, so erfahren wir, ist 1971 bei Schwäbisch Gmünd geboren, lebt mit ihrer Familie in Freiburg und arbeitete als freie Journalistin und PR-Managerin. Nach 13 Jahren bei multinationalen Konzernen in der Schweiz tauschte sie Brot gegen Kunst und widmet sich seitdem dem literarischen Schreiben. In der Edition Klöpfer beim Kröner Verlag erschien gerade ihr zweiter Roman Lichte Horizonte. Ihren ersten Roman hatte auch schon Hubert Klöpfer herausgebracht, damals noch bei „Klöpfer & Meyer“.

Lichte Horizonte erzählt von einer Frau Ende 40, Anne. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lernt unerwartet auf einem Festival einen französischen Chansonier kennen. Aus ein paar Blicken und einem ersten Gespräch entwickelt sich ein Mailwechsel über Kreativität und Begehren, der zunehmend ins Erotische kippt. Stéphane, etablierter Sänger, trägt ihr eine heimliche Liebesgeschichte an. Anne zögert. In der Phantasie wirkt alles leicht, aber in der Realität gibt es ihren Mann, ihre Kinder, das ganze bürgerliche Leben.

Anne verwirft das Manuskript, an dem sie gearbeitet hat, und beginnt ein neues. Sie schreibe, um etwas herauszufinden, sagt sie. Oder doch, um die Kontrolle über den Fortgang der Geschichte zu behalten? Plötzlich sieht sie sich um Jahre zurückversetzt, in eine Zwischenzeit noch voller Möglichkeiten. Das alles beschreibt Daniela Engist mit präziser Sprache, mit Scharfsinn – und entlarvendem Blick.

Walle Sayer ist auch in der neuen Edition vertreten

Der Abend hat einen guten Einblick in die ersten Publikationen der neuen Edition Klöpfer im Kröner Verlag gegeben. Einem weiteren – alten Bekannten – kann man am 20. April (auch Online) begegnen: Dem Lyriker Walle Sayer.

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