Elsternest

Literatur und Schreibabenteuer im Kunstbesetzten Haus

Zwei Workshops liegen hinter M. Von den Teilnehmern sammelte er viele Zettel ein. Zettel, die kurze Sätze, knappe Beschreibungen enthalten. Ergebnis der vielen Übungsaufgaben, die M. mit den Kursteilnehmern im Kunstbesetzten Haus durchgeführt hat.

Zu Hause versucht er sie zu ordnen. Es will ihm nicht so recht gelingen. Zu gerne möchte M. diese zaghaften Stimmen noch einmal erklingen lassen. Immerhin ist er eingeladen, am 7. November auf dem 1. Gunzenhausener Lesefestival „Ohrenschmaus“ zu lesen. Sicher, in seiner Schublade liegen viele Texte, die er schon auf anderen Veranstaltungen gelesen hat. Aber wie soll M. mit den Texten dieser Teilnehmern und Teilnehmerinnen umgehen, die aus den Einrichtungen von Regens Wagner Absberg kommen und ihre Kreativität trotz ihrer Behinderungen leben wollen? Diese Frage stellt sich M. immer wieder, während er seine Lesung vorbereitet und seine Texte zusammen stellt.

M. setzt sich hin und wendet ein Verfahren an, das er schon bei anderen Texten erfolgreich eingesetzt hat: er schlüpft direkt in die Köpfe der TeilnehmerInnen und erfindet das Schreibabenteuer noch einmal. So gelingt, was M. sich lange nicht vorstellen konnte. Einsatz-Texte und kurze Texte aus den Übungen formt er zu einem mehrstimmigen Text.

lesung im kunstbesetzten haus
M. liest in Gunzenhausen
Foto: © Peter Webert

Er beginnt seine Lesung im Kunstbesetzten Haus mit Kurzgeschichten über das Malen eines kleinen Kindes und über das Schreiben lernen. Nach kurzer Zeit folgen die Zuhörer seinen Geschichten und verbinden sie mit eigenen Erlebnissen. Als er die eigens für die Lesung geschriebene Geschichte Kieselstein-Worte liest, hat er die Zuhörer längst auf seiner Seite, haben sie diesen Text doch selbst durchlebt. M. hätte nie gedacht, dass er so viel Lebensfreude und Enthusiasmus gespiegelt bekommt. Während der Schreibworkshops machte er ähnliche Erfahrungen. Tief berühren ihn diese Emotionen und so hat er seinerseits ein Abenteuer bestanden: die Begegnung mit Menschen, die so ganz anders sind wie er selber aber ganz ähnlich fühlen.

Die Begegnung lyrisch verdichtet siehe hier.

Eine Rückblick auf die Lesungen im Kunstbesetzten Haus mit Fotos siehe hier.

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