Elsternest

Maria Laach – Was ist ein Kloster ohne Bibliothek?

Bibliothek Maria Laach

Heute hat M. das große Glück, an einer Bibliotheksbesichtigung teilhaben zu können. Seine aus Erfurt stammende Tischnachbarin fährt nicht nur Mountainbike, sondern schafft es auch, mit ihrer Hartnäckigkeit Pater Viktor davon zu überzeugen, den Hausgästen die Bibliothek zu zeigen. In seiner humorvollen, freundlichen Art macht er der kleinen Gästegruppe mit der Geschichte dieses wichtigen Teils des Klosters vertraut.

Bis zur Säkularisation wuchs die Bibliothek

Die ursprünglich von den Benediktinern angelegte Bibliothek wurde von den französischen Truppen Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts geplündert. Ein großer Teil der Bücher wurde wohl von den Soldaten abends an ihren Lagerfeuern verheizt oder gar zum Stopfen von Straßenlöchern, meint Pater Viktor schmunzelnd. Der Rest ist in großen Bibliotheken verschwunden.

Nach Ende der Säkularisation zogen die Jesuiten ins Kloster Maria Laach ein und bauten ihrerseits eine Bibliothek auf. 1892 übernahmen die Benediktiner erneut das Kloster und begannen mit dem Wiederaufbau ihrer Bibliothek. Diese Benediktiner wurden vom Mutterhaus in Beuron geschickt und brachten den ersten Grundstock an Büchern mit.

Ein kurzes Zwischenspiel der Jesuiten

Schon Anfang des 20 Jahrhunderts verfügte die Bibliothek bereits über 40.000 Bände. Schwerpunkte der Sammlung sind asketische, monastische und kirchengeschichtliche Literatur. Die alte Bibliothek ist in den letzten Jahren zu klein geworden und so hat man vor einigen Jahren im ein sogenannten Jesuiten-Kuhstall ein modernes Magazingebäude fertiggestellt. Das sei mittlerweile zu einem Drittel mit Büchern gefüllt, enthält aber schon den größten Teil der heute auf 260.000 Bände angewachsenen Bücherei. Die ursprüngliche, systematische Sammlung (geordnet nach Sachgebieten) hat man zugunsten der „chaotischen“ Sammlung aufgegeben: Alle Bücher werden so einsortiert, wie sie eingeliefert werden. Sie sind nur noch über den Katalog zu identifizieren.

Als wäre sie ein Schiff

Eine gusseiserne Wendeltreppe nach den Entwürfen des Architekten Schinkel verbindet die einzelnen Galeriegänge über mehrere Stockwerke in der alten Bibliothek. Beim Durchschreiten hat M. den Eindruck, er würde sich im Innern eines Schiffs befinden. Das Schwanken kann man durch Genuss einiger Gläser Rum erzeugen oder verstärken, denkt sich M.

Nach einem kargen Mittagessen (Karsamstag!) schreitet M. zu einer Wanderung rund um den See. Aus seiner Mitte hofft er Kraft zu finden.

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