Elsternest

Matthias Zimmer schreibt über deutsch-deutsche Verhältnisse

Roman Calixt

Matthias Zimmer hat einen neuen Roman unter dem Titel Calixt vorgelegt. Wer ist dieser Autor? Matthias Zimmer gehörte von 2009 bis 2021 dem deutschen Bundestag an. Sein Interesse an Politik ist in diesem Roman deutlich zu spüren. Als ehemaliger Hochschulprofessor und für die CDU aktiver Abgeordneter, ist er durch vielerlei Veröffentlichungen hervorgetreten. Calixt ist nach Morandus sein zweiter Roman. Beide sind in der Edition Faust erschienen.

Matthias Zimmer erzählt eine deutsch-deutsche Geschichte

Matthias Zimmer versucht sich in Calixt der deutsch-deutschen Geschichte anzunähern. Dies macht er anhand eines bereits verstorbenen Hochschulprofessors und dessen in die BRD geflüchteten Sohnes Franco Herzberg. Der, als Studiendirektor für Geschichte an einem Gymnasium in Trier tätig, soll zum 30jährigen Gedenktag des Mauerfalls die Festrede an seinem Gymnasium halten.
Francos Eltern waren überzeugte Sozialisten: Mutter Rita hatte die Schrecken des KZ Ravensbrück überlebt. Als Opfer des Faschismus stand für sie fest: entweder Sozialismus oder Barbarei. Die weitaus interessantere Elternfigur ist allerdings der katholisch erzogene Vater Rudolf. Zwar hatte er sich nach dem Krieg von der Kirche abgewandt aber seine katholischen Wurzeln hat er zeitlebens nicht abgelegt. Als Historiker war Rudolf Herzberg in der DDR nie politisch aktiv, eher ein Vernunftssozialist. Sein Forschungsobjekt war die mittelalterliche, katholische Kirche, eher ungewöhnlich in der DDR. Calixt ist der von ihm gewählte Deckname, mit der er als IM vom Geheimdienst geführt wird. Ein katholischer Schutzheiliger. Seine Tätigkeit als IM spielt allerdings im Roman keine wesentliche Rolle. Warum dieser Name für den Titel herhalten musste, erschließt sich dem Leser bei der Lektüre des Romans nicht.

Zwiegespräche mit einem Todesengel

Die Passagen mit dem verstorbenen Hochschulprofessor Rudolf Herzberg sind als Zwiegespräche mit dem „Todesengel Azrael (Esra)“ ausgeführt, die Herzbergs Überzeugungen reflektieren. Und hier sind wir bei einem ersten Schwachpunkt des Romans: Die Dialoge mit dem Todesengel, also die Betrachtung des realen Sozialismus aus der Sicht des Vaters, driften doch in weiten Teilen in die Form einer Historikervorlesung ab. Da kann der Autor leider von seinem eigenen beruflichen Hintergrund nicht abstrahieren.

Rudolf Herzberg hatte zeitlebens den Sozialismus als Bollwerk gegen den Faschismus gesehen. In den Gesprächen mit Esra werden dazu immerzu Vergleiche der sozialistischen Herrschaft mit der Herrschaft der mittelalterlichen katholischen Kirche bemüht, für die Rudolf Herzberg ein Experte war. Auf Nichtkatholiken muss das inhaltlich, als auch in der Formsprache, ermüdend wirken. Interessant erschien mir bei der Lektüre allerdings der Gedanke des Historikers Herzberg, dass dem sozialistischen System Priester fehlten.

„Wenn Priester damals (in der französischen Revolution, Anm. d. Verf.) Revolutionäre wurden, vielleicht müssen Revolutionäre heute Priester werden?“

Diesem Gedanken geht Matthias Zimmer in seinem Roman mit seinem Protagonisten immer wieder nach: Das Fehlen eines religiösen Hintergrundes in der sozialistischen Ideologie.

Der Sohn stellt sich seiner Vergangenheit

Leider bleiben auch die Erzählstränge, die Sohn Franco auf die Fahrt nach Weimar beschreiben – und dann das Klassentreffen seines Abiturjahrgangs betreffen – leblos. Seine in der ehemaligen DDR verbliebenen Klassenkameraden und Schulfreundinnen werden allzu schablonenhaft geschildert. Der Autor scheint noch nie von der für Schriftsteller so wichtigen Regel „show, don’t tell“ gehört zu haben. Es wird allzu viel behauptet anstatt es an den Handlungen der Protagonisten deutlich zu machen.

Eine Doktorarbeit als Klammer für den Roman

Der dritte Erzählstrang beleuchtet die Arbeiten des Historikers Kaelber, der seine Doktorarbeit über den Historiker Prof. Dr. Rudolf Herzberg schreiben will und ein ehemaliger Schüler von Franco Herzberg war. Er bildet quasi die Klammer zu der Romanerzählung.

Wer sich aufgrund der Ankündigung im Klappentext des Romans

Der berühmte Historiker Rudolf Herzberg blickt auf sein Leben: seine Laufbahn in der DDR, seine sozialistische Grundüberzeugung, sein Familienleben. Gleichzeitig sieht sich sein Sohn, der vor vielen Jahren aus der DDR geflohen war, vor die Aufgabe gestellt, eine Rede zum dreißigsten Jahrestag des Mauerfalls vorzubereiten. Dazu muss er sich seiner Vergangenheit stellen, aber auch dem, was seinem Vater wichtig war.

auf eine erhellende, sprachliche interessante Lektüre gefreut hat, der wird seine Erwartungen enttäuscht sehen.

Cover Matthias Zimmer "Calixt"Calixt

240 Seiten, Klappenbroschur,
Edition Faust, Preis: 24,00 €
zu erwerben in jeder Buchhandlung Ihres Vertrauens

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