Elsternest

Neil Young und Joni Mitchell verlassen Spotify

Neil Young verlässt Spotify
Bildquelle: Youtube-Screenshot

Neil Young gab vor einigen Tagen bekannt, dass er die Musik-Streamingplattform Spotify verlässt. Er hatte die Plattform aufgefordert, nicht länger dem Podcaster Joe Rogan in ihrem Programm einen Platz einzuräumen. Dieser verbreite, so Neil Young, Fehlinformationen zum Coronavirus. Joe Rogan ist einer der reichweitenstärksten Podcaster der USA und zieht vor allem junge Leute an. Seine Beiträge über Corona, die Falschinformationen über die Coronaimpfung verbreiten, hatten Neil Young immer wieder erzürnt: „Spotify ist zu einem Ort der potenziell tödlichen Desinformation geworden“, so Young in einem offenen Brief an die Plattform. Etwa 100 Millionen Dollar hatte Spotify im vergangenen Jahr dafür gezahlt, die „Joe Rogan Experience“ ins Programm nehmen zu dürfen.

Neil Young verzichtet damit auf einen großen Teil seines Einkommens: 60 Prozent des Geldes, das er über Streaming-Dienste generierte, verdiente er über Spotify. Er nehme das in Kauf, „im Namen der Wahrheit“, wie er auf seiner Website schreibt. Schon häufiger hat er sich gegen die Vermarktung seiner Musik mit der Musikbranche angelegt. So bietet er seinen Fans den Zugang zu seiner gesamten Musik kostenlos über seinen Plattform Neil Young Archives. Dort schreibt er, dass er weiter für eine auf Realitäten basierende Welt rocken will. Damit spielt er auf einen Songtitel von ihm an: Rockin in the free World.

Neil Young und Joni Mitchell ziehen am gleichen Strang

Prominente Unterstützung findet Neil Young in einer Folk-Legende aus gemeinsamen, frühen Tagen: Joni Mitchell. Sie schreibt am 28. Januar 2022 auf ihrer Homepage:

Ich habe beschlossen, meine gesamte Musik von Spotify zu entfernen. Unverantwortliche Leute verbreiten Lügen, die Menschen das Leben kosten. Ich bin solidarisch mit Neil Young und der weltweiten wissenschaftlichen und medizinischen Gemeinschaft in dieser Frage.

Sie veröffentlichte auf ihrer Plattform einen offenen Brief an Spotify von Wissenschaftlern, Medizinern, Professoren und Wissenschafts-Kommunikatoren, die ein breites Spektrum von Bereichen wie Mikrobiologie, Immunologie, Epidemiologie und Neurowissenschaften abdecken. Auch Krankenschwerstern und auf Intensivstationen arbeitendes Personal haben den Brief unterschrieben.

Spotify soll Falschinformationen löschen

In dem offenen Brief werden die Betreiber der Plattform aufgefordert, Falschinformationen von ihrer Plattform zu löschen, wie es andere Netzwerke bereits praktizieren. Auszug aus dem Brief, der hier nachzulesen ist:

Während der COVID-19-Pandemie hat Joe Rogan wiederholt irreführende und falsche Behauptungen in seinem Podcast verbreitet und damit Misstrauen gegenüber Wissenschaft und Medizin hervorgerufen. Er hat von der Impfung bei Jugendlichen und Kindern abgeraten, fälschlicherweise behauptet, mRNA-Impfstoffe seien „Gentherapie“, die Off-Label-Verwendung von Ivermectin zur Behandlung von COVID-19 gefördert (entgegen den Warnungen der FDA) und eine Reihe unbegründeter Verschwörungstheorien verbreitet. In Folge 1757 war Rogan Gastgeber von Dr. Robert Malone, der wegen der Verbreitung von Fehlinformationen über COVID-19 von Twitter suspendiert wurde. Dr. Malone nutzte die JRE-Plattform, um zahlreiche unbegründete Behauptungen weiter zu fördern, darunter mehrere Unwahrheiten über COVID-19-Impfstoffe und eine unbegründete Theorie, dass gesellschaftliche Führer die Öffentlichkeit „hypnotisiert“ haben. Viele dieser Aussagen wurden bereits diskreditiert. Bemerkenswerterweise ist Dr. Malone einer von zwei jüngsten JRE-Gästen, die die Pandemiepolitik mit dem Holocaust verglichen haben. Diese Handlungen sind nicht nur anstößig und beleidigend, sondern auch medizinisch und kulturell gefährlich.

Und weiter heißt es in dem offenen Brief an Spotify:

Das Durchschnittsalter der JRE-Hörer liegt bei 24 Jahren und nach Daten aus dem Bundesstaat Washington ist die Wahrscheinlichkeit, dass ungeimpfte 12- bis 34-Jährige mit COVID ins Krankenhaus eingeliefert werden, 12 Mal höher als bei vollständig Geimpften. Das Interview von Dr. Malone hat viele Millionen Zuhörer erreicht, die für medizinische Fehlinformationen anfällig sind. Massenfehlinformationen dieses Ausmaßes haben außerordentlich gefährliche Auswirkungen. Als Wissenschaftler sehen wir uns mit Gegenreaktionen und Widerstand konfrontiert, wenn die Öffentlichkeit unserer Forschung und unserem Fachwissen zunehmend misstraut. Wir Pädagogen und Wissenschafts-Kommunikatoren haben die Aufgabe, das beschädigte Verständnis der Öffentlichkeit für Wissenschaft und Medizin wiederherzustellen. Als Ärzte tragen wir die schwere Last einer Pandemie, die unser medizinisches System an seine Grenzen gebracht hat und die durch die in dieser und anderen Folgen von Rogans Podcast verbreitete Anti-Impf-Stimmung nur noch verschlimmert werden dürfte.

Es handelt sich dabei nicht nur um ein wissenschaftliches oder medizinisches Problem, sondern um ein soziologisches Problem von verheerendem Ausmaß, und Spotify ist dafür verantwortlich, dass diese Aktivitäten auf seiner Plattform gedeihen können. Wir, die unterzeichnenden Ärzte, Krankenschwestern, Wissenschaftler und Pädagogen, fordern Spotify daher auf, unverzüglich eine klare und öffentliche Richtlinie zur Eindämmung von Fehlinformationen auf seiner Plattform einzuführen.

Über 1300 Personen aus o. g. Kreis haben sich diesem Brief angeschlossen.

In Deutschland unterstützen Plattformen weiter Desinformationen

Leider ist mir keine vergleichbare Aktion in Deutschland von einem solchen Kreis bekannt. Immer noch nutzen auch hier Ärzte Plattformen wie Telegram, um ihre gefährlichen Ansichten gegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Stellung zu bringen. Das hatte ich am Beispiel von Dr. med. Jette Limberg-Diers beschrieben.

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