Elsternest

SPD: Brüder zur Sonne zur Freiheit

Die

Wer hätte das vor vier Jahren noch gedacht, dass die SPD den Bundeskanzler stellen wird? Jahrelang war sie im Sinkflug. Ganz im Gegensatz zu ihrem Beginn. 1871, gewannen sie mit ihrem neuen Erfurter Programm zwei Sitze im Reichstag. Dann ging es immer weiter bergauf, wie auf dem Plakat von 1912 zu sehen ist. Dort präsentierten sie sich martialisch als „Der rote Siegfried“. Genüsslich wischt er das Blut von seinem Schwert, zu seinen Füßen der besiegte Drache.

Olaf Scholz kommt smart und eloquent daher

Ganz anders kommt heute Olaf Scholz daher. Eher wie ein smarter Buchhalter, nicht wie ein feuriger Kämpfer. Er gehört seit mehr als zwanzig Jahren zum politischen Interieur der Bundesrepublik. Die Bürger kennen ihn als ruhigen Politiker, zuverlässig, loyal und umsichtig sowie fleißig und akribisch. Er hat die SPD wieder aus dem Tal der Tränen geführt, in die seine Vorgänger die Partei mit ihren ewigen Querelen gebracht hatten. Wir erinnern uns an den enormen Verschleiß an Vorsitzenden. Keiner konnte es der Partei recht machen.

Seine Vorgänger scheiterten krachend

Der letzte Kandidat, Martin Schulz aus dem Jahr 2017, kam zu seiner Kandidatur nach dem Verzicht des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Schulz folgte ihm auch als SPD-Chef. Schulz wurde als die „Wunderwaffe“ im Kampf um die Kanzlerschaft gehandelt. Die SPD erlebte nach seiner Nominierung eine Eintrittswelle in die Partei (auch die Schriftstellerin Juli Zeh wurde Mitglied). Doch nach einem anfänglichen Umfragehoch ging es abwärts. Die SPD erhielt mit 20,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis, kurz darauf übergab Schulz den Vorsitz an Andrea Nahles.

In Baden Württemberg erzielte die SPD bei den Landtagswahlen in diesem Jahr gerade mal 11 Prozent. Aus diesem Tief – und anderen in anderen Bundesländern – wollte kaum noch jemand auf einen Sieg der SPD bei den Bundestagswahlen wetten.

Doch heute wurde Olaf Scholz vereidigt, der die SPD bei der Bundestagswahl am 26. September mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen zur stärksten Fraktion machte (seit 2002 zum ersten Mal wieder stärkste Kraft in Deutschland). Die CDU/CSU fuhr das schlechteste Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik ein und kam auf 24,1 Prozent der Stimmen. Sie muss in die Opposition und muss dem „Roten Siegfried“ die Macht übergeben, nach 16 Jahren in der Regierung. So ändern sich die Zeiten und die Zahlen. Hoffen wir auf einen Wechsel der Zeiten, wie es im Brecht/Eisler-Lied besungen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner