Elsternest

Türkischer Honig – 3 In See stechen

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M. träumt seit langem von einer Schiffsreise auf einem Luxusliner, über die großen Meere fahren, den Wellen zuschauen und mit reichen Witwen Karten spielen. Einen kleinen Vorgeschmack bekam er auf der eintägigen Tour mit einem Segelschiff (das allerdings nur unter Motorkraft fuhr) entlang der lykischen Küste. Normalerweise fährt dieses Schiff 5 oder 7 Tage durch das Mittelmeer, danach wechseln die Passagiere. Zwei Tage liegt es in Kas, bevor die neuen Passagiere in See stechen. Die Reiseleiterin aus dem Hotel hat einen Deal mit dem Kapitän und mietet das Schiff für ihre Hotelgäste.

Bei einem langen Stopp in einer der vielen Buchten konnte M. sich zusammen mit den 12 anderen Passagieren im herrlichen blauen Wasser abkühlen. Bei Tagestemperaturen weit über 30 ° C war das für M. eine Wohltat.

Der Koch hatte den Grill angeworfen und bereitete für die 13 Passagiere fangfrische Fische zu. Dazu gab es üppig Salat, sautierte Kartoffeln und Gemüse.

Ein zweiter Stopp in Kaleköy ermöglichte M. eine Burganlage der Kreuzfahrer zu besichtigen. Lange vor ihnen existierte hier die antike Stadt Simena:  4. Jahrhundert vor Christus.

Als eine Drohne über M. kreiste, wurde ihm bewusst, wie nah er an den Kriegsschauplätzen der neuen „Kreuz“fahrer des nahen Ostens gekommen war: ca. 1000 km ist die syrische Grenze entfernt. Gut, dass dieses Exemplar keinen militärischen Auftrag hatte.

300 km weiter die Küste entlang in Richtung Nordwesten, in Bodrum, richtete sich vor einer Woche die mediale Aufmerksamkeit auf einen 5jährigen Jungen, der bei der Flucht aus Syrien am Strand umgekommen ist. Seine Familie wollte nach Griechenland übersetzen, nicht mit einem konfortablen Segelboot, nein mit einem Schlauchboot. M. wird klar, das Mittelmeer ist für die einen ein Urlaubsparadies, für die anderen ein nasses Grab.

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