Elsternest

Underground – Ein Kunstprojekt

undergound

Der Kontur Kunstverein Stuttgart e. V. hat eine beachtenswerte Ausstellung in den Bunkeranlagen des Fort Schoenenbourg in Zusammenarbeit mit der Association des Amis de la Linge Maginot d’Alsace, dem Verein Kunsthalle Wil und dem Centre Européen d’Action Artistiques Contemporaires zusammengestellt. Die Vernissage fand am 1. Mai 2014 statt. Dieser Ort, den sich Kontur Stuttgart für seine Ausstellung mit Werken internationaler Künstler ausgesucht hat, passt perfekt zum Thema:

Unter einem Buchenwald versteckt sich – als Teil der Maginot-Linie – in bis zu 30 Metern Tiefe eine riesige Bunkeranlage, mit der sich Frankreich im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland verteidigte. Schon der Besuch dieser Bunkeranlage vermittelt einen bedrückenden Eindruck des militärischen Komplexes des 2. Weltkrieges. Dieser Ort berührt durch seine Enge, Kälte und Feuchtigkeit, seine Abschottung von der Außenwelt.

Die Ligne Maginot wurde in den dreißiger Jahren zur Abwehr der deutschen Aggression aus dem Osten errichtet, vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkrieges. Genützt hat diese Verteidigungslinie nichts. Die deutschen Truppen sind einfach um sie herum gelaufen und über Belgien nach Frankreich eingefallen.

Marc Halter, Dr. Raimund Menges
Marc Halter, Dr. Raimund Menges

Zur Eröffnung sprachen unter anderem der Präsident der Association des Amis de la Ligne Maginot d’Alsace und der Vorsitzende des Vereins Kontur, Dr. Raimund Menges.

Die Anstifter zusammen mit dem Bündnis „Die Waffen nieder! Jetzt!“, das Stuttgarter Netzwerk „100 Jahre Erster Weltkrieg“, organisieren bis Ende September monatliche Exkursionen zur Ausstellung in die Bunkeranlage. Die erste Exkursion findet am Samstag, den 31. Mai, statt.

100 Jahre Ausbruch 1. Weltkrieg, 75 Jahre Ausbruch 2. Weltkrieg. Zeit, der Ursache von Krieg auf die Spur zu kommen. Die beteiligten Künstler versuchen es auf ihre Weise. Arbeiten von vierunddreißig Künstlern sind in der weit verzweigten Bunkeranlage ausgestellt und sie berühren in dieser Umgebung viel stärker als es in einer normalen Galerie.
Drei Kunstwerke möchte ich, stellvertretend für die ausgestellten Arbeiten, vorstellen.

Glaser/Glunz "Aton & Amen"
Glaser/Glunz
„Aton & Amen“

Aton und Amen: Zwei Flüchtlinge ihren Öljacken. Sind es Bootsflüchtlinge, sind es Obdachlose? Sie sitzen auf großen Plastiktüren und unterhalten sich. Daniel Glaser und Magdalena Kunz haben eine besondere Form der animierten Plastik entwickelt: Auf den Gesichtern ist die Videoprojektion aufgebracht. Die beiden Figuren unterhalten sich. Aton, eine altägyptische Gottheit, die in ihrer Erscheinung als Sonnenscheibe verehrt wurde und Amen, das in der Bibel so viel wie „so sei es“ bedeutet.

Rainer Ganahl zeigt eine Gasmasken-Marmorskulptur. Das nebenstehende Schild verweist auf Fritz Haber, der Senfgas entwickelte.

Rainer Ganahl "DADALENIN HABER C. IMMERWAHR"
Rainer Ganahl
„DADALENIN HABER C. IMMERWAHR“

Es wurde als fürchterliche Waffe im ersten Weltkrieg eingesetzt. Die Zahl der Toten durch diese Waffe erreichte die 100.000, eine halbe Millionen wurde verletzt. Habers Frau Clara Immerwahr, ebenfalls Chemikerin und eine engagierte Frauenrechtlerin wie Kriegsgegnerin, protestierte gegen die Arbeit ihres Mannes und wählte 1915 den Freitod, wenige Tage nach dem ersten Einsatz des Gases.

Auf der Stirnwand eines mit Wasser gefüllten Bassins, ein Löschwasser-Reservoir, tauchen als Projektion die Köpfe von Tauchern auf. Die Köpfe schließen mit der Wasseroberfläche ab, so dass der Eindruck entsteht, die Personen würden aus dem realen Wasser auftauchen. Die glucksenden Geräusche unterstreichen die Illusion:

Anna Anders "Submarines"
Anna Anders
„Submarines“

Wenn die Taucher auftauchen ohne dass das Wasser auch nur eine Welle schlägt, stockt dem Betrachter der Atem.

Kunstwerke im Bunker, dreißig Meter unter der Erde. Sie bringen Erkenntnisse an die Oberfläche.

 

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