Elsternest

USA-NW: Portland

Mittwoch, 7. September 2022: Der 2. Tag der Reise

Japanischer Garten in Portland

Portland ist die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum des Bundesstaates Oregon. Das hat M. gestern schon bei der Ankunft feststellen können: Große Straßen und Highways durchziehen die nicht enden wollenden Stadtviertel. Immerhin hat Portland circa 650.000 Einwohner und ist somit die zweitgrößte Stadt in der Region Pazifischer Nordwesten. Die Stadt ist Hauptstadt (County Seat) des Multnomah County und Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Portland in Oregon. Die erzkonservative, römisch-katholische Kirche hat seit Jahren einen unguten Einfluss auf die politisch konservativen Kreise in den USA, vor allem bei den Republikanern.

Da M. schon gestern kreuz und quer durch Downtown Portland gelaufen ist, fahren M & T. heute mit der Straßenbahn „unter“ den Washington Park. Portland ist eine von drei Städten der USA, in der noch eine Straßenbahn verkehrt (Portland Streetcar). Diese ist 1995 modernisiert worden und ist mit ihren Fahrzeugen mit Niederfluranteil zeitgemäß. Es gibt zwei Linien: Eine fährt in nordsüdlicher Richtung auf 6 km Länge quer durch die Innenstadt (North/South Line), die nehmen sie. Mit 79 Metern Tiefe ist diese Bahnstation unterhalb des Washington Parks die tiefstgelegene in den USA. Vielleicht schon der erste Grund, warum M. den Fahrstuhl nach oben nimmt. Ein Shuttlebus bringt die Besucher zum japanischen Garten, den Peter P. gestern überschwänglich anpries, ebenso wie den Rosengarten.

Aussöhnung mit dem ehemaligen Kriegsgegner

Inspiriert von den wachsenden kulturellen Beziehungen zwischen Oregon und Japan hatten Bürgermeister Terry Schrunk und Mitglieder der Gemeinde Portland in den späten 1950er Jahren die Idee, einen japanischen Garten auf dem Gelände des alten Zoos im Washington Park anzulegen. Nach den schweren Erfahrungen des II. Weltkriegs (Japaner wurden in den USA zu tausenden interniert, Japan war wie Deutschland Kriegsgegner) sollte den Bürgern von Portland ein Garten von großer Schönheit und Gelassenheit geboten werden. Man suchte dadurch auch, eine heilende Verbindung zu Japan nach dem Zweiten Weltkrieg zu schaffen und das kulturelle Verständnis zu fördern. Die Amerikaner brauchten keine Übersetzung, sondern konnten die japanischen Ideale und Werte aus erster Hand erfahren, die einfach durch die Natur vermittelt wurden. Ganz so wie im Zen: Verstehen, indem man etwas tut. So strömt der Garten in seiner am Zen orientierten Schlichtheit eine große Ruhe aus.

Kois

Bis ins Detail ist alles harmonisch geordnet. Kois (eine Zuchtform des Karpfens) schwimmen friedlich im Wasser und ein Angestellter zieht bedächtig mit einem Holzrechen Spuren in den grobkörnigen Sand eines Steingartens. Gegen diese ausgeklügelte Gestaltung muten die Beete des riesigen Rosengartens gegenüber wie ein wilder Dornenbusch an, obwohl das bei genauer Betrachtung natürlich überhaupt nicht stimmt und den Rosenzüchtern Unrecht tut.

Der größte Buchladen und leckeres Bier

Zurück in der Stadt entdeckt M. eher per Zufall den ihm von Moritz Hildt empfohlenen riesigen Buchladen. Einen ganzen Häuserblock nimmt er ein. Ein Student hatte vor 50 Jahren in Chicago eine Buchhandlug gegründet und sein Vater, der ihn darin unterstützte, war von der Idee so begeistert, dass er als Rentner eben diese Buchhandlung in Portland gegründete hat, die heute die größte Buchhandlung in den USA ist. Alles, was zwischen zwei Buchdeckeln gepresst wurde und wird, kann man hier kaufen. Neue und gebrauchte Bücher gleichermaßen. Es ist also nicht nur eine Buchhandlung, sondern zugleich ein Antiquariat. M. staunt über die meterlangen Bücherregale, die sich über mehrere Stockwerke durch das Gebäude ziehen. Bei einer Tasse Kaffee im Pearl District lässt M. die Bilder dieses Wundergartens des Buches in sein Inneres sinken, bevor er wieder aufbricht zu den Galerien in diesem District Portlands und zu einem Bier-Tasting bei einer der lokalen Brauereien. In seinem Reiseführer las M., dass Portland eine Biermetropole ist. Im Ballungsraum gibt es über 70 Brauereien, daher der Beiname das „München am Willamette“. M. hat eine gewisse Affinität zum Bier, immerhin standen in seiner Vaterstadt acht Brauereien. Dieser Umstand war in seiner Jugend nicht gerade uninteressant …

Bier-Tasting

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