Elsternest

Von Engeln gerettet – Kukai überlebt einen Sturz (JR-8)

Tag 8: Kagawa, 17. Oktober 2023

Die Tempel 66-88 liegen alle in der Provinz Kagawa. Auf der spirituellen Pilgerfahrt werden diese Tempel der Tempelgruppe „Nirvana“ zugerechnet. Gestern noch „Auf dem Weg der Erleuchtung“ (Tempelgruppe 40-65 in der Provinz Ehime) ist die Pilgerschar auf dem Weg zur Erlösung dem Nirvana einen deutlichen Schritt näher gekommen.

M. fühlt sich an diesem Morgen meilenweit vom Nirvana entfernt, deutlich stärker spürt er die vor zwei Tagen aufgezogene Erkältung: die Nase ist verstopft, der Hals kratzt und ein bellender Husten hat sich eingestellt. Das alles macht ihm sehr zu schafften. Pilgerbruder S., mit dem er sich ein Zimmer teilt, ist HNO-Arzt und kann ihm aus seiner Reiseapotheke hustenlindernde Tabletten und Tropfen geben. So gewappnet kann die Fahrt zum 71. Tempel, dem Iyadan-ji, losgehen.

Das immer gleiche Ritual der Pilger

Bei allen Tempelbesuchen vollziehen die Pilger das gleiche Ritual:
1. Verbeugen vor dem Haupttor (san-mon)
2. Eintritt in die Tempelanlage durch das Haupttor
3. Reinigen der Hände und des Mundes an der Waschstelle (mizu-ya)
4. Glockenschlag am Glockenturm (shô-rô)
5. Gebet vor dem Haupt-Tempelgebäude (hon-dô)

Pilger in weißer Weste
Pilger bei der Rezitation des Herzsutras. Die Aufschrift auf der Pilger-Weste lautet: namu daishi henjō kongō (Ehre gebührt Daishi, dem alles erleuchtenden Diamanten)

6. Gebet vor dem Daishi-Tempelgebäude (daishi-dô), in dem eine Statue von dem Mönch Kūkai aufgestellt ist.
7. Gang zum Tempelbüro (nôkyôsho) und Eintragung in das Tempelbuch (nôkyôchô)

Wanderung vom Iyadani-ji Tempel zum Tempel 72 und 73

Vom Iyadani-ji Tempel zum nächsten Tempel sind es ungefähr 4-5 km, durch Bumbushaine hindurch, entlang von Reisplantagen, ein Stück parallel zur Fernstraße und dann bergauf zum Tempel 72, der erst einmal links liegen gelassen wird, es geht gleich steil über eine asphaltierte Straße zum Tempel 73, dem Shusshka-ji. Hier stehen Unmengen an steinernen Stehlen, auch sonst sind Steine allgegenwärtig.

Tempel-Stempel ins Tempelstempelbuch

M. hat sich von allen besuchten Tempeln Stempel in sein Stempelbuch drücken lassen. Meist sind es drei oder vier Stempel in roter Farbe und jedes Mal wird von Hand eine kunstvolle Kalligrafie in das Buch gepinselt. Mit einem Löschpapier wird diese Kalligrafie vor Verschmieren geschützt und das Buch wird mit einer Verbeugung mit zwei Händen dem Pilger wieder ausgehändigt und die 300 Yen (ca. 2 €) für die Stempel wechseln den Besitzer. Welch eine wertvolle Erinnerung an all die heiligen Stätten, die die Füße des Pilgers betreten haben.

Der unfreundliche Stempler

Der „Stempler“ hat offensichtlich auch ein Herz aus Stein, lustlos und unfreundlich drückt er die Stempel in das Stempelbuch und pinselt seine Kalligrafie hinein. Das ist M. bei noch keinem Stempelbüro passiert (und er wird es auch nicht wieder erleben). Eine absolute Ausnahme. Die Menschen hier, und vor allem die in den Klöstern, sind freundlich und zugewandt.

Ein Sturz mit Folgen

Hinter dem Shusshka-ji Tempels erhebt sich der Gahaishi-Berg. Es wird berichtet, dass Kūkai im Alter von 7 Jahren, diesen Berg erklommen haben soll. Dort soll er gerufen haben,

„Ich will den Buddhismus erlernen, um allen Menschen zu helfen. Wenn dieser Wunsch in Erfüllung gehen sollte, wird Buddha vor mir erscheinen. Ich werde mich von den Klippen des Berges hinabstürzen, um mich Buddha zu ergeben.“

Als er hinuntersprang, kamen auf einer Wolke Buddha und Engel im Federkleid und fingen ihn auf.

Die Stelle ist nur über einen sehr steilen Anstieg (4 km, 424 Höhenmeter) vom Shusshka-ji zu erreichen und angesichts seines angeschlagenen Gesundheitszustandes verzichtet M. auf den Besuch dieser Klippe und den dort errichteten Tempel.

Gepflegte Gärten

Der Mandara-ji-Tempel hat die Anmutung eines Zen-Gartens: alles ist äußerst akkurat. Die Mittagssonne läd zum Verweilen und Flanieren ein. Angenehm, dass der Busfahrer mit dem Mittagessen schon auf die Pilgergruppe wartet. Diesmal sind die Bento-Boxen mit Speisen eines französischen Restaurants gefüllt, „Fusion-Kitchen“ japanisch – französisch. M. kaum glauben, dass alle Speisen vegetarisch sind, auch die kleinen Hühnerschlegel. Sehr schmackhaft!

Vegetarisches Abendessen folgt auf Fusion-Kitchen

Das Abendessen im Tempel Zentsu-ji ist abwechslungsreich aber ein wenig fad aber wieder liebevoll arrangiert. Alles ebenfalls vegetarisch, in den Klöstern gibt es kein Fleisch. Die Mönche verzichten darüber hinaus auf scharfe Saucen und Gewürze. Aber die Darreichungsform ist dafür umso ästhetischer.

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