Elsternest

Zum Kōnomine-ji geht es steil bergauf (JR-5)

Tag 5: Präfektur Kōchi, 14. Oktober 2023

Die ursprüngliche Reiseplanung für den heutigen Tag ging von der Besichtigung von drei Tempeln aus, mit langen Fußmärschen. Aber es hatte sich in den vergangenen Tagen herausgestellt, dass die deutsche henro Gruppe sich viel Zeit bei der Betrachtung der Tempel lässt. Der gestern abgebrochene Anstieg zur 24. Tempelanlage hat auch hier körperliche Grenzen aufgezeigt. Heute soll es zum 27. Tempel gehen, dem Kōnomine-ji (Gipfel der Götter). Er gilt auf dem Pilgerweg rund um die Insel als ein „Nansho-Tempel“, ein besonders anstrengender Weg mit sehr steilen Anstiegen, den man gehen muss, um zu ihm zu gelangen.

Frühstück im Community-Center

Das Frühstück im Community-Center stärkt die Wandergruppe: mit einem über einer offenen Flamme gegarten Fisch (jeder auf seinem kleinen Kocher), frischem Gemüse und Tofu kann der Tag beginnen. Der Bus bringt die Gruppe zur Tōnohama Bahn-Station, hier beginnt der Aufstieg.

Terrassenförmig angelegtes Tempelgelände

Auch auf dem Tempelgelände geht es steil weiter, will man von Tempel zu Tempel gehen, von dem dem Buddha geweihten Haupttempel (hondō) zum daishidō, dem Kūkai geweihten Tempel. Durch einen Bambushain geht es noch einem steil hinauf zu zwei kleinen Nebentempeln, in einem eine riesige Pferdestatur. Dieser Tempel erinnert an die erfolgreiche Abwehr der Mongolen.
Nachdem sie das größte Reich der Geschichte erobert hatten, wandten sich die Mongolen ab 1274 gegen Japan. Mehrfach versuchten sie die Inselgruppe mit ihrer Flotte zu erobern. Das Land hatte gegen die Übermacht keine Chance. Aber ein „göttlicher Wind“ rettete es. Ein Kamikaze zerstörte fast die Hälfte der Invasionsflotte. So bleib Japan vor der Herrschaft der Mongolen bewahrt.

Jizō-Statuen – Begleiter der toten Kinder

Jizō-Statuen am Kōnomine-ji Tempel

Jizō-Statuen, jene kleinen, glatzköpfigen Figuren, die an fast allen Tempeln zu finden sind, tragen oft Babykleidung: ein rotes Mützchen oder ein buntes Lätzchen. Jizō ist eine Figur aus dem Buddhismus und hat in Japan eine ganz besondere Bedeutung. Es handelt sich bei ihm um einen Bodhisattva, also einen Erleuchteten, der beschloss, seinen Eintritt ins Nirwana zu verzögern, um den Menschen zu helfen. Im Buddhismus ist die Tötung von Leben und somit auch die Abtreibung verboten. Aber die Buddhisten wissen um die Not von Frauen, so dass sie sich in bestimmten Situationen für eine Abtreibung entscheiden. Statt dieses zu verurteilen, werden die Föten beerdigt und ein Jizō wird aufgestellt, als Begleiter des verstorbenen Kindes ins Totenreich. Somit erfüllt Jizō eine wichtige Rolle bei der Trauerbewältigung betroffener Eltern.

Zen-Gärten

Zen-Garten am Kōnomine-ji Tempel

Hinter der Abt-Residenz im Mönchsbereich des Kōnomine-ji ist ein Garten im japanischen Zen-Stil angelegt. Eine freundliche Angestellte schließt ihn auf. Alle wichtigen Elemente eines Zen-Gartens sind hier zu bewundern: Wasser, Felsen, der typische Bewuchs mit kleinen Bäumen (Bonsai) eine kleine Brücke und Mauern. Im Garten erkennt man die Jahreszeiten an den Bäumen.

Der Abstieg vom Kōnomine-ji ist deutlich weniger anstrengend. Zumal die Aussicht auf eine komfortable Unterkunft in einem Ryokan die henro zusätzlich beflügelt. Ein Ryokan (japanisches Reisegasthaus) ist ein traditionell eingerichtetes japanisches Hotel. Bis dahin liegen noch ca. 150 km Busfahrt. Das Oku-Dogo Ichiyu no mori in Matsujama ist eine Unterkunft, die keine Wünsche offen lässt: ein wunderbares Onsen und reichhaltige Buffets am Abend und am Morgen, die keine Wünsche offen lassen.

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3 Kommentare

  1. Die Schilderung ist sehr plastisch. es fallen die Ungereimtheiten auf: Fisch essen trotz Tötungsverbot im Buddhismus und die Abtreibung von Föten. Ob diese medizinisch geboten war, wäre interessant. Ansonsten schwer verständlich. Ebenso das Töten von Tieren. Es gibt doch genug andre Nahrung.

    1. Frauen entschließen sich nicht nur aus medizinischen Gründen sondern auch aus sozialen Gründen zu einer Abtreibung. Das ist in Japan nicht anders als in Deutschland. Aber die Not der Frauen wird im Buddhismus anerkannt.

      Obwohl Buddhisten glauben, dass alle Lebewesen die Buddha-Natur haben, sind sie nicht strenge Vegetarier. Nur Mönche leben in klösterlicher Gemeinschaft vegetarisch. Wenn sie sich allerdings mit einer Bettelschale ihren Lebensunterhalt verdienen, nehmen sie auch eine fleischliche Gabe an, die sie in ihre Bettelschale gelegt bekommen. Der Gebende wird auf diese Weise als Person respektiert, indem seine Opfergabe gewürdigt wird.

      1. Danke für die Antwort. Die Gründe der Frauen sind durchaus zu würdigen und der Buddhismus zeigt Verständnis dafür. Auch das Essen von gespendetem Fleisch ist verständlich wenn sonst die Gefahr besteht, nichts mehr zu bekommen. Dass Fleisch unter bestimmten Umständen gegessen wird, war mir bekannt. Nachvollziehen kann ich es persönlich nicht, da es hier um das Prinzip des Nichtverletzens geht. Freilich beurteile ich das aus einer anderen Warte, da ich um mein veganes Essen nicht betteln muß und noch nie gehungert habe. Aber hier sieht der Buddhismus wohl das Leben als Weg, um zu Lernen und nicht zu verurteilen, wenn die Umstände bestimmte Handlungen erzwingen. Außerdem ist eine Neuausrichtung immer möglich. Auf jeden Fall sind die Reiseberichte wertvoll und aus erster Hand, das ist viel wert heutzutage. Danke dafür!

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