Elsternest

40 Jahre Schriftstellerhaus – Der Festakt

Walle Sayer, dem Schriftstellerhaus vrbunden
Mit Lyrik und Musik einen festlichen Rahmen geben

Am 18. September kamen etwa 110 Mitglieder, Freunde und ehemalige Stipendiaten des Vereins Stuttgarter Schriftstellerhaus e.V. in den Hospitalhof, um die Vereinsgründung vor 40 Jahren zu feiern.

Es wurden Geschichten vorgelesen. Es wurden Gedichte vorgetragen. Und es wurde gelacht und geweint. Im Rückblick waren die Worte der Geschäftsführerin Astrid Braun besonders berührend. Sie war die letzten 20 Jahre klug und leidenschaftlich für das Häuschen am Charlottenplatz tätig. Stuttgart liest ein Buch und die Reihe Lesung im Salon, gehen auf ihre Initiative zurück. Die Aufgaben, die sie an die neue Geschäftsführerin, Janina Hecht, übergibt, sind sicherlich eine besondere Herausforderung.

Vertreter der Stadt und der Landesregierung würdigen die zurückliegende Arbeit

Der erste Bürgermeister der Stadt Stuttgart, Dr. Fabian Mayer, würdigt in seiner Ansprache die Gründung des Hauses. Er erzählt, wie der damalige Oberbürgermeister Manfred Rommel und der damals amtierende Ministerpräsident Lothar Späth mit dem Lyriker Johannes Poethen zusammen kamen. Poethen wolle eine Versammlungsstätte für Stuttgarter Autorinnen und Autoren. Das kleine Haus am Charlottenplatz wurde seinem Wunsch gemäß nicht abgerissen sondern saniert. Johannes Poethen kann er mit Fug und Recht als Gründungsvater des Vereins bezeichnet werden. Bis heute finanzieren das Land und die Stadt zum allergrößten Teil den Etat des Hauses.

Arne Braun, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, kann Anekdoten aus der Gründerzeit erzählen: Von seiner Freundschaft mit dem ehemaligen Stipendiaten Matthias Politycki berichtet er und lässt sich sogar hinreißen, ein Gedicht aus der damaligen Zeit zu rezitieren.

Astrid Braun hat knapp 20 Jahre die Geschäfte des Hauses geführt

Astrid Braun vom Schriftstellerhaus
Festrede der Geschäftsführerin Astrid Braun

Mit dem 40-jährigen Bestehen des Vereins geht auch die Ära von Astrid Braun zu Ende. Sie hat die Geschäfte des Vereins knapp 20 Jahre mit viel Herzblut und Engagement geführt. In ihrer Rede erinnert sie an die Anfänge ihrer Zeit. Finanziell war es nicht einfach. Zusammen mit ihr fing die Digitalisierung des Bürobetriebes an: Sie teilte sich mit einem nagelneuen Macintosh-Rechner das Büro im ersten Stock des Hauses. Zum Schluss ihrer Rede überwältigen sie die Emotionen. Nur zu gut verständlich, angesichts der tiefen Verbundenheit, die sie mit dem Haus empfindet.

Yvgeniy Breyger beleuchtet die Poesie

Yvgeniy Breyger
Festredner Yvgeniy Breyger

Was wäre ein Haus der Poesie, ohne eine Rede über Poesie? Die hält der ehemalige Stipendiat Yvgeniy Breyger, der im Winter 2020 das Haus bewohnte. Er gibt seiner Rede den Titel:
Das Reservat, worin haust die Poesie und im Spiegel haust der Mensch.

Eine Rede, die den Rahmen einer Geburtstagsfeier zu sprengen droht und die Kraft ihrer Worte scheint so manchen Zuhörer aus dem Saal des Hospitalhofs in den Hörsaal einer Universität zu versetzten.

Lesungen kommen nicht zu kurz

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Den literarischen Teil des Abends eröffnet Steffen Schroeder mit einem Auszug aus seinem Roman: Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor. Er, der als Schauspieler einem breiten Publikum bekannt wurde, zieht alle Register der Vortragskunst bei der Lesung einer humorvollen Passage aus seinem Werk. Selina Böttcher und Felicitas Kaiser, Teilnehmerinnen der Schreibwerkstatt Junges Schriftstellerhaus haben keine Scheu, ihre Texte einem großen Publikum vorzustellen.

Nikola Lutz
Moderne Musik von Nikola Lutz am Saxofon

Moritz Heger, Vorsitzender des Vereins, liest einem Auszug aus seinem in Arbeit befindlichen Roman. Ebenso blättert Susanne Stephan ihre Notate auf. Sie lässt die Zuhörer – anhand ihrer eigenen Kindheitserinnerungen – an ihren essayistischen Überlegungen zu den Energiekräften teilnehmen, die die Schriftsteller antreiben. Der Lyriker Walle Sayer setzt mit seinen Kurzgedichten nicht nur stilistisch einen Kontrapunkt. Er bringt mit seine musikalische Sprache seine Texte zum Klingen.

Musikalisch umrahmend – und immer wieder die Leseabschnitte auflockernd – bewegen sich Nikola Lutz am Saxofon und César Bernal am Kontrabass durch den Saal.

 

 

Abschied

Astrid Braun
Verabschiedung von Astrid Braun

Ein bedeutender Programmpunkt des Abends ist zum Abschluss die Verabschiedung von Astrid Braun durch die Vorstandsmitglieder Moritz Heger, Wolfgang Tischer und Susanne Stephan. Alle drei danken auf ihrer Art der Geschäftsführerin für die Arbeit der vergangenen Jahre. Astrid Braun hinterlässt tiefe Spuren. Ihre Nachfolgerin, Janina Hecht, steht in den Startlöchern und wird von Astrid im nächsten Monat profund eingearbeitet. Wie Astrid Braun, die die Nachfolge der ersten Geschäftsführerin Usch Pfaffinger antrat, wird Janina Hecht ihre eigenen, ganz neuen Schwerpunkte setzen. Wir können darauf gespannt sein.

Astrid Braun mit Tochter und ihrer Nachfolgerin Janina Hecht (ganz rechts)
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