Elsternest

Auf zu den lustigen Tieren im Kōzan-ji Tempel! (JR-13)

Rollbilder im Kōzan-ji Tempel

Tag 13: Kyōto, 22. Oktober 2023

Heute steht der Gruppe wieder ein Bus zur Verfügung. Das ist auch notwendig, denn das erste Ziel ist Kōzan-ji, der im Norden von Kyōto liegt und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Es ist ein Shingon-Tempel, der der buddhistischen Richtung von Kūkai zugerechnet wird. Bekannt ist er für seine Bildrollen, auf denen „Lustige Tiere“ dargestellt werden. Eine frühe Form der heute so populären Manga-Kultur (Mangas sind die in Japan beliebten Comics).

Die in dem Sekisuiin genannten Gebäude aus der Kamakura Zeit (1185-1333) ausgestellten Kunstwerke sind von atemberaubender Schönheit. Die chōjū jinbutsu giga können mit Fug und Recht als die ersten Manga Japans angesehen werden, sie stammen aus dem 12. Jahrhundert. Sie haben es M. besonders angetan, der seine Liebe zu Comics in den frühen achtziger Jahren entdeckte, als er mit ihrer Hilfe die Feinheiten der französischen Sprache in Kamerun erlernte.

Die Region, in der sich Kōzan-ji befindet, ist auch für Teeliebhaber interessant. Die Region Toganoo war im 13. und 14. Jahrhundert berühmt für den besten Tee Japans. Laut eigener Aussage ist der Teegarten vom Kōzan-ji der älteste Teegarten Japans.

Tenryū-ji – ein besonderer Tempel

Laufen am Kiyotaki River
Pilgern am Kiyotaki River

Der Tempel Kōzan-ji ist der Ausgangspunkt der heutigen Wanderung zur Rinzai-Tempelanlage Tenryū-ji. Eine wunderschöne, ca 9 km lange Wanderung, über weiter Strecke am Kiyotaki-River entlang, der sich durch eine tief eingeschnittene Schlucht zieht. Je näher M. dem Tenryū-ji kommt, desto touristischer wird die Gegend. Kurz vor dem Tempel reihen sich Geschäft an Geschäft. Geschäftstüchtige Rikscha-Fahrer preisen Fahrten an und bahnen sich, wenn sie Kunden von einer Tour überredet haben, mit ihren muskulösen Waden einen Weg durch den Strom der nicht abreißen wollenden Touristen. Auch M. und seine von dem vorderen Teil der Gruppe abgetrennten Gefährten bahnen sich schnellen Schrittes den Weg zum Tempel, denn dort wartet ein Mittagessen auf die Gruppe. Sie wird empfangen von Thomas, einem buddhistischen Mönch, den Michael von Brück noch von seiner Ausbildung in eben diesem Kloster kennt. Thomas strahlt die Ruhe und die Leichtigkeit aus, die vielen buddhistischen Mönchen eigen ist. Seine lebendigen Augen haben alle und alles im Blick.

Michael von Brück wurde seinerzeit von Hirata Roshi ausgebildet, der eine Öffnung des Buddhismus zum Westen hin betrieb, indem er viele Menschen aus Europa einlud, bei ihm den Zen-Buddhismus zu studieren und praktisch einzuüben. Auch Thomas gehörte dazu. Er stammt aus Boston und ist schon über 40 Jahre hier beheimatet. Von Michael auf seinen Ehering angesprochen erzählt er strahlend, dass er seit einigen Jahren mit einer Japanerin verheiratet ist. Sein Alter (Anfang siebzig) hätte der Liebe nicht im Wege gestanden.

Lebendigkeit von Thomas
Thomas erklärt sehr lebendig

Bevor Thomas die Gruppe durch das Kloster führt, gibt es erst einmal ein abwechslungsreiches Mittagessen, auch hier streng vegetarisch, was der Raffinessen der Speisen keinen Abbruch tut. An das Mahl schließt sich ein Rundgang durch das hojo (Quartier des Abtes) an, ein langgestreckter Bau vor dem alten Zen-Garten, für den der Tenryū-ji berühmt ist. An den Schiebewänden die die mit Tatami-Matten ausgestatteten Räume trennen, wunderbare Drachenbilder. Von der Veranda des hojo blickt man auf den Sogenchi-Garten (Zen-Garten), den ein Meister der Gartenkunst im 14. Jahrhundert im Stil des chisenkaiyu-shiki (etwa: spazieren gehen) anlegte und der bis heute nahezu genau wie in den ersten Tagen erhalten geblieben ist.

Heute leben 8 Mönche im Kloster. 12 Jahre muss man dort praktizieren, um eine Lehrbefugnis zu erhalten bzw. bis man autorisiert wird, ein Kloster zu leiten. Die Pilgergruppe macht einen Anfang, indem sie mit Thomas nach einer Einführung in die Zen-Meditation in der Meditationshalle des Klosters meditiert.

Die Keifuku Electric Railroad betreibt neben den Stadtbussen und mehreren anderen Bahnen auch zwei Straßenbahnlinien. Eine dieser Linien endet in unmittelbarer Nähe zum Tenryū-ji. Mit dieser alten Straßenbahn geht es zurück ins Hotel. Ein Tag in Bewegung (in vielen Facetten) neigt sich dem Ende zu.

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