Elsternest

Frauen im Rock (XIX) – Bonnie Bramlett

Ich entdeckte Bonnie Bramlett auf einem Video von Stephen Stills und war von ihrer Performance sofort eingenommen. Sie sang Background und spielte 6 (!) Maracas (Rumba-Rasseln). Zu der Zeit war sie schon jahrelang im Geschäft.

Auf einer Aufnahme mit David Crosby (auf sehr kleiner Bühne) entfaltet sich sie ihre Stimme zu ihrer ganzen Größe.

Bonnie BramlettZum Abspielen bitte auf das Bild klicken

Schon mit 14 sang Bonni im Nachtclub

Sie wurde 1944 in Alton, Illinois, als Bonnie Lynn O’Farrell geboren. Mit 14 Jahren durfte sie auf dem Gaslight Square singen, einem Nachtclubviertel in St. Louis, das dem French Quarter in New Orleans ähnelt. Sie wurde von den Besten gefördert – Jazzgrößen wie Stan Getz, The Quartet Tres Bien, Herbie Mann, Miles Davis sowie Nat und Cannonball Adderly gaben ihr ein musikalisches Fundament par excellence. Doch es war ihre Liebe zum Rhythm and Blues, die Albert King und Little Milton auf sie aufmerksam werden ließ. Ihre Verwurzelung in der Musik ist wegweisend für andere Musikerinnen geworden. Sie trat als erste weiße Frau zusammen mit Ike und Tina Turner in deren Show auf, mit einer ungeheuer kraftvollen Stimme!

Zusammen mit ihrem Ehemann Delaney startete Bonni Bramlett eine steile Karriere

In Los Angeles lernte sie 1967 ihren späteren Ehemann Delaney Bramlett während eines Konzerts seiner Band, den Shindogs, kennen. Sie heirateten innerhalb einer Woche und unterzeichneten bald einen Plattenvertrag bei Stax Records.

Die beiden teilten mit ihrer Band, Delaney & Bonnie & Friends, häufig die Bühne mit Eric Clapton, Leon Russell, George Harrison, Dave Mason, Rita Coolidge, Gram Parsons und John Lennon, um nur einige zu nennen. Die Stücke aus dieser Zusammenarbeit lesen sich sowohl beim Songwriting als auch bei der Performance wie eine Geschichte des Rock ’n‘ Roll. Delaney & Bonnie veröffentlichten fünf herausragende Alben, ihr erstes war Home auf Stax Records. Hit-Singles wie Soul Shake, Never Ending Song of Love und Only You Know & I Know hielten sie in den Charts. Das Duo trennte sich 1973 privat und beruflich. Bonnie schrieb u. a. die Songs Superstar (1972 für einen Grammy nominiert) und Give Peace a Chance, die beide gemeinsam mit Leon Russell geschrieben wurden.

Auch als Solokünsterin reussierte sie

Bonnie Bramlett zog dann nach Georgia und begann eine Solokarriere. Sie holte sich eine wenig bekannte Begleitband aus Schottland, die Average White Band mit der sie ihre Solo LPs veröffentlichte. Bonnie war auch die gefragteste Backgroundsängerin auf Alben von Joe Cocker, Carly Simon, Gregg Allman, Little Feat, Jimmy Hall, Steve Cropper, Jimmy Buffett und Dwight Yoakam, um nur einige zu nennen. Als sie in den 1980er Jahren mit Delbert McClinton zusammen traf, entstand das preisgekrönte Givin‘ it Up for Your Love, das zu einem Rockstandard geworden ist und auch von Tina Turner interpretiert wurde. So schließt sich auch hier der Kreis.

Nach einer Tournee mit Stephen Stills luden Dickey Betts und Gregg Allman sie auf die Allman Brothers Tournee ein, und sie wurde als einzige Allman Sister der gefeierten Südstaaten-Rockgruppe bekannt. Aus dieser Tour stammt das oben genante Video.

Hier noch ein Urteil des Musikjournalisten George W. Harris des 2006 erschienenen Albums „Roots, Blues & Jazz“:

Manche Künstler gehen mit der Zeit. Andere weigern sich einfach, zu wachsen. Gelobt sei Gott für die Königin des ‚hazel eyed soul‘, Ms. Bonnie Bramlett, dass sie all die Jahre bei der Stange geblieben ist… diese mitreißende Scheibe… stellt jeden Möchtegern-Rocker in den Schatten. Es geht nichts über eine Dame, die wie ein weiblicher Löwe brüllt und es auch so meint.

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