Elsternest

Joachim Zelter radelt durch sein literarisches Werk

Joachim Zelter mit Christine Lehmann

Eine besondere Veranstaltung hat des Schriftstellerhaus in das vielfältige Programm des ersten Stuttgarter Literaturfestivals eingespeist: Eine Lesung an vier verschiedenen Orten mit dem Autor Joachim Zelter.

Joachim Zelter ist ein passionierter Rennradfahrer. Zu Lesungen in Stuttgart kommt er schon mal mit dem Rad aus Tübingen. Seine muskulösen Oberschenkel zeugen von regelmäßigem Training. In dem Roman Im Feld hat er seiner Leidenschaft autobiografisch Ausdruck verliehen.

Vier literarische Etappen

In vier Etappen geht es am Samstag bei strahlendem Sonnenschein vom Karls-Platz hinauf zum Dornhaldenfriedhof. Dort steht das Garnisionsschützenhaus. Ein Veranstaltungsort, den das Schriftstellerhaus während der Coronapandemie schätzen gelernt hat. Konnten doch hier Veranstaltungen im Freien stattfinden.

Etwa zwanzig Teilnehmer lassen sich nicht abschrecken, dem radelnden Schriftsteller auf seiner Tour zu folgen, die die neue Weinsteige hinauf führt. Nur wenige haben Elektrounterstützung. Vom Rennrad bis zum Klapprad ist alles vertreten. Christine Lehmann, selbst fahrradbegeisterte Schriftstellerin und Fahrradbloggerin, erklärt zu Beginn der Veranstaltung die Tour. Sie kennt sich aus in Stuttgart. Regelmäßig schreibt sie in ihrem Blog über Touren und die Widrigkeiten des Radfahrens in Stuttgart.

Vier Lesungen aus vier Romanen

Joachim Zelter hat im Radlerrucksack vier seiner Romane. Passend zur Fahrradtour liest er zu Beginn aus seinem Roman Im Feld. Eine sehr passende Einstimmung auf die Tour. Er beschreibt in der Lesepassage, wie er sich einer Radsportgruppe zu einer anspruchsvollen Radtour anschließt. Alle seine Romane durchziehen ein feiner Humor, so dass die Gruppe nach dieser Lesepassage beschwingt aufbricht.

Briefe aus Amerika

Joachim Zelter liest vor der St. Marien Kirche

Nach kurzer Fahrt der erste Stopp vor der katholischen St. Maria Kirche, ein neogotisches Bauwerk mit reichlich Zierrat. Joachim Zelter liest aus seinem 1998 erschienenen Erstlingsroman Briefe aus Amerika, in dem er seine Zeit zwischen 1995 und 1996 als Dozent im Fach Germanistik an der US-amerikanischen Yale University literarisch verarbeitet.

Schweißtreibender Aufstieg über die neue Weinsteige

Joachim Zelter "Die Würde des Lügens"

Die folgende Etappe ist anstrengend: Über den Henkersplatz die Olgastraße hinauf, anschließend über die neue Weinsteige zum Santiago-de-Chile-Platz. Die neue Weinsteige hat immerhin 8 % Steigung. Erschwerend kommt der Autoverkehr hinzu, der die gleichen Fahrspuren wie wir Radfahrer nutzt. Aber Christine Lehmann hat als versierte Stuttgarterin alles im Griff, ihr Mann fährt als Letzter und schaut nach den langsamen Radfahrern. Die Anstrengungen des Aufstiegs werden durch eine weitere humorvolle Lesung aus dem Roman Die Würde des Lügens und einer phantastischen Aussicht über die im Tal liegende Innenstadt mehr als wett gemacht.

Am Ziel eine kleine Stärung

Die letzte Etappe zum Garnisonsschützenhaus ist nach der Weinsteige keine Herausforderung mehr. Durch das teuerste Villenviertel Stuttgarts, dem Haigst, führt dieser Abschnitt, entlang einiger Weinberge, mündet in einem kühlen Waldstück und erreicht sein Ziel. Im Garnisonsschützenhaus erwartet die Radler eine kleine Stärkung in Form von belegten Broten und Getränken. Ein Schluck Kaffee bringt die Lebensgeister zurück, so dass man sich auf die letzte Lesung konzentrieren kann. Die bestreitet Joachim Zelter aus seinem 2022 erschienen Roman Professor Lear. Damit geht diese ungewöhnliche Veranstaltung des Schriftstellerhauses zu Ende. Eine rundum gelungene, außergewöhnliche Veranstaltung. Alle sind glücklich, dass diese bei so herrlichem Frühlingswetter stattgefunden hat.

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