Elsternest

Steffen Schroeder, erster Stipendiat im Jahr 2023

Steffen Schroeder

Anfang des Jahres zog Steffen Schroeder ins Schriftstellerhaus. Drei Monate will er hier verbringen. Die Wohnung ebenso wie ein kleines Salär werden vom Schriftstellerhaus dem Stipendiaten zur Verfügung gestellt. Am 28. Februar stellte er sich sich dem literarisch interessierten Publikum in der Akademie für gesprochenes Wort vor. Etwa 30 Personen haben den Weg in die Akademie gefunden, die mit dem Schriftstellerhaus eine Kooperation für derartige Veranstaltungen eingegangen ist. Das hat den Vorteil, Menschen anzusprechen, die bislang noch keine Berührungspunkte mit dem Schriftstellerhaus hatten und der Raum ist um einiges größer als die beengten Verhältnisse im „Häusle“. Allerdings wird Eintritt erhoben, der ist bislang bei Veranstaltungen in der Kanalstraße 4 nicht anfielen. (10 €, 5 € für Mitglieder des SH)

Drei Bücher sind bereits von Steffen Schroeder erschienen

Steffen Schroeder hat bereits drei Bücher veröffentlicht, ein Sachbuch und zwei Romane. Während seines Stipendiums arbeitet er an seinem dritten Roman, der den Arbeitstitel Die Bestimmung der Nachtfalter trägt. Hierzu hat er in Stuttgart ausgiebig recherchiert, denn es wird ein historischer Roman werden. Im Zentrum des Romans stehen zwei leidenschaftliche Schmetterlingsliebhaber: der Theaterautor und Liebhaber von Schmetterlingen Ferdinand Ochsenheimer und sein Freund und Kollege, der Regisseur und Librettist Georg Friedrich Treitschke. Beide veröffentlichten ein sechzehnbändiges Standardwerk der Lepidopterologie, der Schmetterlingskunde. Der von Steffen Schroeder am Ende des Abends vorgetragenen Prolog macht neugierig auf das Buch.

Kurz geht Steffen Schroeder an diesem Abend im Gespräch mit der Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses, Astrid Braun, auf seine Anfänge als Autor ein. Als Kind hat er gerne Märchen geschrieben. Sein erstes Buch, ein Sachbuch, hat er auf Anraten seines Kollegen und Freundes Michael Degen über seine ehrenamtlichen Tätigkeit als Vollzugshelfer geschrieben: Was alles in einem Menschen sein kann. Begegnungen mit einem Mörder (2017).

Die Zuhörer genießen die von Steffen Schroeder gelesenen Passagen

Im Mittelpunkt des Abends steht allerdings sein zweiter Roman, ebenfalls ein Text um eine historische Begebenheit: Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor, aus dem Steffen Schroeder zwei Passagen liest und so gut die Stimmung des Buches vermitteln kann. Aufgrund seines Berufes als Schauspieler gelingt ihm eine einfühlsame und lebendige Lesung. Die gesprochene Sprache ist sein Metier, das ist deutlich zu spüren.

Seine Ururgroßmutter war die Halbschwester des Physikers Max Planck und so konnte er bei seinen Recherchen auf Unterlagen zurückgreifen, die sich im Familienbesitz befinden, u. a. umfangreiche Korrespondenzen. Schon als Kind hat er einen bei seinen Großeltern gerahmten Brief von „Onkel Max“ bestaunt, auf dem der berühmte Physiker einen großen Tintenfleck hinterlassen hat, den Planck auf dem Brief mit „Entschuldige den Flecken“ kommentierte. Das beeindruckte den jungen Schroeder.

Der Roman umfasst einen sehr kurzen Abschnitt aus dem Leben des Protagonisten, von Oktober 1944 – Mai 1945. Er beginn damit, dass Planck mit sich ringt, der Aufforderung zu folgen, einen Beitrag zu einer Festschrift zu schreiben, mit dem er sich zum Führer bekennen soll. Auf der einen Seite hat er den Nazis immer mit Ablehnung gegenüber gestanden, auf der anderen Seite ist sein Sohn Eduard verhaftet und interniert worden. Eduard Planck wird vorgeworfen, zur Gruppe der Verschwörer zu gehören, die Hitler im Juli 44 beseitigen wollten.

Ein Roman wie ein Puzzelspiel

Um dieses zentrale Ereignis gruppiert Steffen Schroeder geschickt eine Reihe namhafter Protagonisten, die in der Zeit lebten und mit Max Planck in Verbindung standen: Unter anderen der Professor für Chirurgie Ferdinand Sauerbruch von der Charité (Plancks Schwiegertochter Nelly war Assistenzärztin unter Sauerbruch), seinen in die USA emigrierten Kollege Albert Einstein, dessen Gefühlskälte von seinen beiden Söhnen als schmerzlich empfunden wurde. Trotz seiner Begabungen konnte sich z. B. Einsteins Sohn Eduard Einstein im Schatten des Vaters nicht entwickeln. Er litt an Schizophrenie und starb in einem psychiatrischen Krankenhaus in der Schweiz. Dieses Schicksal wird im Roman ausgiebig beleuchtet.

Bedrohung und schwere Schicksalsschläge gepaart mit Leichtigkeit

Die Bedrohung Berlins durch die alliierten Bombardements hatten Max Planck veranlasst, mit seiner Frau Margarete die Stadt zu verlassen und aufs Land zu ziehen. Im Rittergut in Rogätz wähnen sie sich in Sicherheit. Bis die Russen kommen. All diese historischen Puzzelteile sind in dem Roman von Steffen Schroeder kunstvoll miteinander verbunden. Trotz der Schwere des Themas hat der Autor, auch durch Einfügung skurriler Details, dem Roman eine gewisse Leichtigkeit verliehen. Das, so Schroeder an dem Abend, versucht er auch in in seinen neuen Roman über die beiden Schmetterlingsforscher einfließen zu lassen.

Mit drei, im Rowohlt Verlag veröffentlichen Büchern, hat sich der Schauspieler Steffen Schroeder als Autor etabliert und das Stipendium im Schriftstellerhaus gibt ihm hoffentlich genügend Unterstützung, sein viertes Buch bald auf den Markt zu bringen.

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