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Y wie Young, Neil – Unplugged, Teil 10 der Top 10

Neil Young Unplugged Konzert MTV
Bildschirmfoto YouTube

Neil Young gehört zu den ganz großen Geschichtenerzählern und vielseitigsten Musikern der Singer- Songwriter-Szene. Geboren wurde er am 12. November 1945 in Toronto. Lange Zeit hat er darum gekämpft, die US-amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten, denn immerhin wohnt er seit über 50 Jahren in den USA. Letztes Jahre hat er sie endlich bekommen, gerade rechtzeitig, um noch an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen zu können.

Buffalo Springfield – Die erste Band von Neil Young

Mit der Band Buffalo Springfield begann Neil Youngs Karriere (1966). Seine Musik umfasst zahlreiche Genres wie beispielsweise Rock-, Grunge-, Country- und Folkmusik. Die Zahl seiner Plattenveröffentlichungen ist unüberschaubar. Zumal er in den letzten Jahren auch noch dazu übergegangen ist, sukzessive sein Archivmaterial zu veröffentlichen.

Ich besitze etwa zwanzig Platten von ihm aus den unterschiedlichsten Schaffensperioden und es fällt mir schwer, eine Platte herauszugreifen, die meine Verehrung für diesen Musiker in Gänze auszudrücken vermag. Eine, die seine Fertigkeiten auf der akustischen Gitarre ebenso wie seine Songwriter-Qualitäten hörbar macht, ist Unplugged.

Unplugged besticht durch extrem gute und vielfältige Songauswahl

Das Besondere an Unplugged ist die unglaublich gute Songauswahl. Die Auswahl seines Musikmaterials ist ein Teil dessen, was dieses Album zu einem so herausragenden Hörerlebnis macht. Es ist nicht einfach Neil Young, der sich auf einen Hocker setzt, seine größten Hits spielt und hofft, dass eine neue Generation von Fans ihn auf MTV sieht und seine Musik hört. Hier spielt einfach einer der begabtesten Singer-Songwriter Nordamerikas, der seine Zuhörer an seinem Talent teilhaben lässt. An seiner Seite exzellente Musiker und Sängerinnen: u. a. Nils Lofgren (hervorragender Gitarrist, sollte ich auch mal drüber schreiben) und als Sängerin seine Schwester Astrid und Nicolette Larson. Dies ist nicht nur ein akustisches Album. Die Gitarren, die Young spielt, sind natürlich akustisch, aber sie haben nicht diesen üppigen, makellosen Klang. Das Spiel klingt schlicht und ergreifend roh. Und es gibt reichlich Mundharmonika, Harmonika und Klavier, um zu verhindern, dass es so klingt, als wäre alles gleich.

Neil Young beginnt das Konzert mit The Old Laughing Lady

Wie beginnt Neil Young sein Set? Mit The Old Laughing Lady, einem weitgehend unbekannten Stück von seinem Debüt von 1969. Seine Stimme klingt so schön wie immer. Ein eindringliches Stück, das noch eindringlicher im Kontext des Beginns eines Live-Albums vor einem kleinen Publikum klingt.
Mr. Soul stammt noch aus seiner Schaffensperiode mit Buffalo Springfield. In der Band traf er auch zum ersten Mal auf Stephen Stills. Während das Original rau und laut war, verlangsamt er es hier, fügt eine großartige Mundharmonika zum Intro hinzu und singt mit einer fast mysteriösen Darbietung.

Pocahontas stammt aus dem unglaublichen Rust Never Sleeps von 1979 und enthält einige von Youngs bizarrsten Texten. Der größte Teil des Textes handelt davon, wie amerikanische Indianer hintergangen wurden, eines von Youngs Lieblingsthemen zu dieser Zeit. Aber auch von der Filmindustrie also Hollywood. Ich liebe diesen Song, wurde er doch auch von der Dortmunder Folk-Band Cochise interpretiert, die mein Fingerpicking-Gitarren-Lehrer Pit Budde mit Clara Brandi gründete.

Ein Harmonium ersetzt frühere Gitarrenarragements bei Like a Hurrican

Ein weiteres Highlight ist der Song Like a Hurricane. Er hat das ursprüngliche Gitarrenarrangement durch ein Harmonium ersetzt, das doppelt so alt wie Neil klingt. Das kann man einfach nur mögen. Ich würde diesen Song, ein süßes Liebeslied, das überhaupt nicht übertrieben oder kitschig ist, in dieser Version gerne mal im Kölner Dom hören. Und wünschte mir an meiner Seite Kardinal Wölki, damit er etwas von der Liebe erfahren würde, die diesen Song durchweht:

Once I thought I saw you
In a crowded hazy bar,
Dancing on the light
From star to star.
Far across the moonbeam
I know that’s who you are,
I saw your brown eyes
Turning once to fire.

Viele seiner Songs kennt man von Platten von CSN&Y

Den Hit The Needle and the Damage Done kennen auch Leute, die kein Fan von Young sind. Schon im Original wurde er live und vor einem Publikum gespielt. Diese Aufnahme ist genauso stark.
Helpless erschien auf dem sagenhaften Album von Crosby, Stills, Nash & Young Déjà vu. Ich hatte dieses Album für meine Liste der 10 Lieblingsplatten schon ausgesucht, hätte aber damit ein zu großes Gewicht auf diese wunderbaren Musiker gelegt, die ein der besten Folk-Rock-Guppen bildeten. Helpless verkörpert für mich ganz Neil Young. Ein unglaublicher Song. Seine Melodie ist einfach, aber kraftvoll, und der Text ist fantastisch.

Mit dem Titel Harvest Moon überschrieb Neil Young 1992 eine Platte, die er mit den Stray Gattors einspielte. Alles „alte Säcke“, die eine Musik spielten, in der der gesamte Westen durchschien. Auch auf Unplugged gelingt es Neil, diese Stimmung hervorzuzaubern. Schön, wie das in Bildern auf dem Musikvideo umgesetzt wird.

Transformer Man

Überraschenderweise spielt Young Transformer Man, ein Stück von Trans aus dem Jahr 1983. Man erkennt es in der akustischen Version nicht wieder. Auf Trans experimentierte Neil Young mit durch Vocoder gejagten Stimmen. Er nimmt diesen Song, von dem wahrscheinlich niemand auf die Idee kommen würde, ihn live hören zu wollen und macht ihn zu einer angenehmen Überraschungen des Albums. Daran wir wieder einmal die musikalische Bandbreite und Wandlungsfähigkeit dieses Ausnahmemusikers deutlich.

Der Song Unknown Legend war der Opener auf dem Album Havest Moon. Ein großartiger Song. Menschen, die eine Westerngitarre spielen können, werden die einfachen Riffs erkennen. Der Text lässt mein Herz höher schlagen, so einfach er ist und doch mit so viel Tiefgang.

Sie hat früher in einem Diner gearbeitet
Habe noch nie eine schönere Frauen gesehen
Ich habe immer bestellt, nur um zuzusehen
Sie schwebt über den Boden
She used to work in a diner
Never saw a woman looker
I used to order just to watch
Her float across the floor

Look Out For My Love ist ein großartiger Song aus Comes a Time von 1978. Look Out For My Love klingt hier genauso gut wie damals. Es gibt wirklich nicht viel mehr zu sagen: Dieser Song rockt, ein ziemlich geradliniges Liebeslied.

Es gibt nur eine Platte mit Neil Young und Stephen Stills: Long May You Run

Long May You Run spielte Young schon mit Stephen Stills 1976 auf ihrem einzigen Album, auf dem nur sie beide zusammen spielten und das, ob du es glaubst oder nicht, Long May You Run hieß. Es war auch eines der stärksten Stücke auf dieser ungewöhnlichen Platte. Es klingt auf Unplugged ähnlich wie auf der Platte der Stills-Young Band, einfach gut.

Mit From Hank to Hendrix endet diese wunderbare Scheibe, die durch die Geschichte des Songwriting von Neil Young führt. Auch dieser Song erschien zum ersten Mal 1992 auf Harvest Moon. Er zeigt das Spannungsfeld auf, in dem Neil Young sich in seinem Künstlerleben bewegte: Von Hank Williams bis zu Jimmi Hendrix. Ein großartiger Song über eine musikalische Reise.

Von Hank zu Hendrix
Ich bin mit dir durch diese Straßen gegangen
Hier bin ich mit dieser alten Gitarre
Tue, was ich tue.

Soweit ich weiß, hat Neil Young zwei Songs geschrieben, in denen Hank Williams eine wichtige Rolle spielt. Von Hank to Hendrix und This Old Guitar. Diese alte Gitarre bezieht sich auf Williams‘ D-28 Martin Gitarre, die Neil Young von Tuck Taylor abgekaufte, der sie wiederum von Hank Williams bekommen hatte.

Mit dieser kleinen Geschichte möchte ich den Überblick über meine 10 favorisierten Singer-Songwriter des amerikanischen Nordens abschließen. Sie stehen alle in einer langen Tradion der Sänger aus den USA und Canada, die die Geschichte und die Schicksale, dieser großartigen weiten Länder in ihren Songs besungen haben.

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