Elsternest

Georges Moustaki: Die erste Platte meiner Musiksammlung

Georges Moustaki

Meine Liebe zur Musik und meine Leidenschaft, Schallplatten zu sammeln, begann 1972 mit Georges Moustaki. Ich bin mit Freunden durch Südfrankreich getrampt und besuchte in Besançon unsere Partengemeinde St. Louis. Dort genossen wir im Pfarrhaus die französische Küche. Nach Tagen der Entbehrung eine Wonne, ein Gericht mit sechs Gängen essen zu können. Die Geistlichen vermittelten uns an ein Jugendprojekt ganz in der Nähe. Ein altes Bauernhaus wurde zu einem Jugendzentrum umgebaut. Dort lernte ich Michel kennen, einen gutaussehenden jungen Mann. Lange Haare, Gouloise rauchend und Schwarm der Frauen. Der legte abends diese Platte auf und ich war hin und weg. Zurück in Dortmund kaufte ich mir die Platte und hörte sie ununterbrochen. Für mich, der ich nur Klassikplatten meines Vaters kannte, eröffnete sich eine ganz neue Welt.

Frankreich ein Sehnsuchtsort

Frankreich war zu der Zeit ein Sehnsuchtsort für mich. Und obwohl Georges Moustaki ein in Alexandria, Ägypten als Sohn des jüdisch-griechischen Buchhändlers Nissim Mustacchi und seiner Frau Sara am 3. Mai 1934 geboren wurde, war er für mich der Inbegriff des französischen Chansoniers. Die Sprache in seiner Familie war nicht Griechisch, sondern Italienisch. Im kosmopolitischen Klima Alexandrias lernte Georges Moustaki (Geburtsname Giuseppe Mustacchi) neben seiner Muttersprache Italienisch Arabisch, Französisch und Englisch. Aufgrund der Affinität seiner Eltern zur französischen Kultur, besuchte Moustaki das französische Gymnasium der Stadt.

Georges Moustaki lernte das Chanson im französischen Gymnasium kennen

Im Lycée français bekam er den ersten Kontakt zum französischen Chanson. Nach Beendigung der Schule ging er 1951 nach Paris. In dieser Zeit begann er erste Chansons zu schreiben. Er begegnete Georges Brassens. Der ermutigte den jungen Mann, sich für eine Karriere als Musiker zu entscheiden. Als Hommage an Brassens wählte Moustaki den Vornamen Georges für sein Pseudonym. 1958 lernte er Édith Piaf, ein weiteres Idol seiner Jugend, kennen. Er begann mit der 18 Jahre älteren Frau eine kurze Liebesaffäre. Für sie textete er das erfolgreiche Chanson Milord zur Musik von Marguerite Monnot.

Von Georges Moustaki zur Singer-Songwriter-Szene

Es war die Zeit, in der in Griechenland eine Militärjunta die Zügel fest in den Händen hielt. Auf der bei Polydor erschienen Platte, die schlicht „Moustaki“ hieß, war auch ein Lied des großen griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, der von 1970–1974 im Exil in Frankreich lebte (Nous sommes deux). Der Originaltext von Marche De Sacco Et Vanzetti stammt von Joan Baez, die Komposition von dem Filmmusik-Komponisten Ennio Morricone. So wurde mit dieser Platte mein Weg vom Chanson zur Liedermacherszene und zur Singer-Songwriter-Szene vorbestimmt.

Liste der auf der Platte veröffentlichten Lieder

  • Il Y Avait Un Jardin
  • Je Ne Sais Pas Où Tu Commences (Baby Love Song)
  • J’ai Vu Des Roi Serviles…
  • L’homme Au Coeur Blessé
  • Marche De Sacco Et Vanzetti (Here’s To You)
  • Margot (Instrumental)
  • Grand-père
  • Où Mènent Ces Routes Devant Moi
  • En Méditerranée
  • Nous Sommes Deux (Imaste Dyo)
  • Tes Gestes
  • Pourquoi Mon Dieu

Auf der Bühne gibt Moustaki sich bescheiden

Ich erlebte Mitte der achtziger Jahre Georges Moustaki auf einem Konzert in Hamburg. Mit seiner Bescheidenheit und Zurückhaltung hat er mich tief beeindruckt. Nach 1 1/2 Stunden ging er von der Bühne, um seinen Mitmusikerinnen und Musikern diese zu überlassen. Er sagte, es seien hervorragende Musiker, die sollten Gelegenheit haben, ihre eigenen Stücke zu spielen. Nach dieser Einlage kam er triumphal zurück.

4 Kommentare

  1. Lieber Michael Seehoff,

    mit Freude habe ich Ich Ihren Blog zu Georges Moustaki gelesen.
    Auch für mich hat sich durch die Berührung mit seiner Musik seit meiner Jugend eine musikalische Welt erschlossen, die mich nie mehr verlassen hat. Mehr noch: Eine Welt, die durch die Schönheit seiner Texte, sein daraus sprechendes Menschen-und Weltbild, seine Werte und nicht zuletzt auch durch seine Persönlichkeit mich geprägt haben. Ich hatte das Glück mit ihm nach Konzerten in den 2000-er Jahren ein wenig zu plaudern- sein Charisma , seine Bescheidenheit habern mich sehr fasziniert. Vielen Dank für diese Hommage!

  2. Haben Sie herzlichen Dank für Ihren wertschätzenden Kommentar. Da haben wir wohl beide das Gleiche empfunden bei der Begegnung mit Georges Moustaki, wiewohl ich ihm nicht so nahe gekommen bin wie Sie.

  3. Hallo Michael Seehoff,
    Sie zeichnen eine kurze, aber ganz deutliche Geschichte des Lebens von Georges Moustaki. Selber bin ich grosser Fan, ich liebe die Texte, die Musik, die Bücher, seine Zeichnungen. Und also die Lebensweise (die aber ganz nicht auf dieser Art in mir selbst lebt). Ich bin Fan und Sammler und habe meine Website an ihn gewidmet (moustaki.nl). Vielleicht wäre es möglich noch Konzerterfahrungen oder Bilder (digital) auszuwechseln. Das werde mich freuen.

  4. Hallo Tineke,
    leider kann ich Ihnen nicht mit Fotos dienen. Weder von dem Konzert, das sich seinerzeit besuchte, noch mit Fotos von Georges Moustaki. Hätte ich welche, würde ich sie Ihnen ohne zu zögern zur Verfügung stellen. Sie haben mit Ihrer Seite https://moustaki.nl/ eine beachtenswerte Sammlung ins Netz gestellt. Es macht großen Spaß, Unbekanntes über ihn darin zu entdecken.

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